Präsident Truman und Außenminister Acheson haben noch einmal feierliche Erklärungen abgegeben, daß die USA-Truppen sich streng an die Weisungen der UNO halten und chinesisches Gebiet nicht betreten würden. Mit ziemlicher Deutlichkeit haben amtliche Stellen zu verstehen gegeben, daß man bereit sei, über das Yalu-Kraftwerk, das zwar auf koreanischem Territorium liegt, aber auch die Mandschurei mit Strom versorgt, mit Peking einen Kompromiß zu schließen. In diesem Zusammenhang ist die Rede von der Möglichkeit, eine „Pufferzone“ zwischen Korea und China zu schaffen. Die chinesische Antwort jedoch gibt einstweilen keinen Anlaß zu hoffnungsvollen Erwartungen. „Schon wieder einmal“, so hieß es im Radio Peking, „bittet man uns, die friedlichen Absichten Amerikas nicht mißzuverstehen.“ Acheson könne jedoch versichert sein, daß es über die Absichten Amerikas, das sich „mit Gewalt den Weg bis an und über die chinesische Grenze erzwang, sich Formosa aneignete und nun Chinas Nachbarn Vietnam bedroht“, keine Mißverständnisse mehr gäbe. Das sind sehr harte Worte, die keinerlei Neigung erkennen lassen, zu einer friedlichen Lösung zu kommen.

Gleichzeitig jedoch hat Peking eine chinesische Delegation zu den UNO-Verhandlungen über Formosa gesandt. Hierbei dürfte sich nun aller. Wahrscheinlichkeit nach eine Gelegenheit ergeben, sämtliche Streitfragen zwischen China und den Vereinigten Staaten gleichzeitig zu bereinigen. Die Chinesen haben sich ein Faustpfand in Nordkorea verschafft und drohen mit offenem Krieg. Die Amerikaner haben ihre 7. Flotte in die Formosa-Gewässer entsandt, was einem starken Faustpfand gleichkommt, und drohen, einem rotchinesischen Landungsversuch mit Gewalt entgegenzutreten. Man sieht also, daß Möglichkeiten eines gegenseitigen Nachgebens bestehen. Schon heißt es, General McArthur habe das Wort von einem „München des Fernen Ostens“ geprägt.

In der Tat läßt sich nicht leugnen, daß hier der chinesische Angreifer ganz nach hitlerischer Manier versucht hat, sein Ziel zu erreichen. Gerade um solche Methoden deutlich sichtbar zu bestrafen, hatte der Sicherheitsrat das Eingreifen von UNO-Truppen im koreanischen Bürgerkrieg beschlossen. Es wäre kein großer Gewinn für das Ansehen der UNO, wenn der Konflikt damit sein Ende fände, daß ausgerechnet solche hitlerischen Methoden zum Ziele führen würden.

So ist Acheson in einer schwierigen Lage. Gibt er nach, dann wird offenbar, daß, was dem schwachen Nordkorea verboten war, dem mächtigen China erlaubt ist, und die Republikaner, die eine starke Politik im Fernen Osten verlangen, werden von Präsident Truman seine Abberufung fordern. Bleibt er fest, riskiert er einen dritten Weltkrieg. Tgl.