Von B. N. Gavrilovic

Der bulgarische Putschist Damjan Weltscheff war nach dem zweiten Weltkrieg zum Kriegsminister in dem von den Kommunisten beherrschten Kabinett aufgestiegen, ehe er sich die Ungnade der Sowjets zuzog. In diplomatischen Diensten ging er in die Schweiz und kehrte nicht mehr in sein Vaterland zurück. Er hatte – so erklärte er einem Mitarbeiter der „Zeit“ – den Freiheitsparolen der Sowjetrussen geglaubt; erst die Erfahrungen machten ihn klüger: sie lehrten ihn, daß „niemand mit dem Tiger spielt, ohne schließlich gefressen zu werden“. Weltscheff hat wahrlich Gelegenheit gehabt, die Gesetze zu studieren, nach denen die Sowjets den „Kalten Krieg“ führen, in jedem Lande nach den gleichen Gesetzen... Daher lohnt es sich, auf diesen Verschwörer zu hören, der heute sein Schweigen bricht. Es lohnt sich auf die Gefahr hin, daß seine Kritiker in manchen Punkten Recht haben mögen, die sich heftig gegen Weltscheffs Veröffentlichung wandten und deren Stimmen wir später veröffentlichen werden: es ist sein Haß gegen das bulgarische Königshaus; der vor allem Anstoß erregt hat; ein Haß, der offensichtlich zum Antrieb aller seiner Taten wurde. Das Ende seiner Laufbahn nahte, als er in Moskau mit Stalin sprach.

Sind Sie, Herr Weltscheff, als Sie in Moskau waren, mit den führenden Männern in Berührung gekommen?“

„Ich war nur einmal dort, nach der Beendigung des Krieges im Juni 1945, um an einer Parade der Roten Armee teilzunehmen. Es waren Militärdelegationen aller Verbündeten und befreundeten Länder anwesend. Nach der Parade empfing mich Stalin. Der Empfang war herzlich. Im Laufe des Gesprächs ließ er auch den Marschall Tolbuchin kommen und fragte ihn:

‚Warum halten Sie noch Truppen in Bulgarien? Das ist sehr kostspielig für die Bulgaren.’

‚Und das besonders in diesem Jahr, Herr Marschall‘, beeilte ich mich Tolbuchin zuvorzukommen. „Die Trockenheit ist entsetzlich, die Tresore sind leer, wir sind arm ...“

‚Auch ohne Trockenheit ist das zu teuer‘, setzte Stalin fort, und zu Tolbuchin sagte er: ‚Warum können Sie Ihre Truppen nicht über die Donau zurückziehen?’