B. P. Stockholm, Mitte November

Die schwedische Presse hat der Bevölkerung seit vielen Wochen angekündigt, daß im Dezember und Januar „alles“ teurer werden wird, so daß es sich schließlich an sämtlichen Kaffeetischen herumgesprochen hat. Erfolg: es wurde gehamstert; in den Läden und bei den Grossisten verschwand so manches in altbekannter Weise unter dem Ladentisch, Baumwollener Lakenstoff ist ausverkauft, importierter wie schwedischer. Gute Wollstoffe sind Glücksache, Die Umsätze an Schuhen wachsen. Papiersorten altbekannter Qualität sind im Laden ausverkauft, und man muß froh sein, wenn man überhaupt etwas einigermaßen Gutes bekommt (etwa, um diesen Bericht darauf zu schreiben). Aus dem Käufermarkt des vergangenen Jahres, in dem ein Ausverkauf den anderen jagte, ist ein Verkäufermarkt geworden. Die Parole heißt jetzt schnell kaufen Textilien, Häuser, Wertpapiere – ehe die Preiskontrollbehörde am 1. Januar die Preiserhöhung gestattet. Papierpreise wurden bereits jetzt freigegeben.

Was die Gewerkschaften an Forderungen für die kommenden Lohnverhandlungen, beschlossen haben, übersteigt alle Befürchtungen: 15 bis 25 v. H. und mehr sind keine Seltenheit. Man will ja nun die gewesene und auch die versprochene Preissteigerung gleich mit kompensieren. Vor einem Jahr war man abwartend, wenn man kaufte, denn die Preise fielen dank der hereinströmenden Importwaren. Heute flieht man die Krone, die 10 bis 15 v. H. ihrer Inlandskaufkraft einbüßen soll. Man sucht Ware und, wer Ware hat, sucht sie zu behalten. Die sogenannte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nimmt zu: „heißes“ Geld! Das alles ist eine in der Welt zur Genüge bekannte psychologische Erscheinung, gegen die es immer noch keine schmerzlose Inflationspsychotherapie gibt.