Das Stichwort gab die unglückliche und in ihren Angriffen gegen die Gewerkschaftsfunktionäre sicherlich unbedachte Rede des Augsburger Kammerpräsidenten Vogel in Köln, und schon setzte der Rundfunkkommentator von Zahn in seiner wirtschafts-lyrischen Sendung „Von Rhein und Ruhr“ jene Ausführungen einem Generalangriff der gesamten Schwerindustrie auf die gesamte Arbeiterschaft gleich. Er nahm die Gelegenheit wahr und nannte Westdeutschland, „abgesehen vom Genickschußgebiet der Ostzone, den schwärzesten und rückständigsten Teil dieses Erdteiles, der am meisten vom Kasernenhofton des Korporals in seiner Sozialordnun? erhalten hat“. Und weiter hieß es, daß Deutschlands Sozialordnung unter dem Gekrächz der industriellen Sturmvögel und Wirtschaftshyänen, hinter denen die Arbeiter herhumpelten, auf den Stand der Bismarck-Zeit zurückgefallen sei. Wenn es auch nicht allzu viele Hörer des Nordwestdeutschen Rundfunks geben dürfte, die ausgerechnet die Sendung „Von Rhein und Ruhe“ zu hören pflegen, so erhebt sich doch grundsätzlich die Frage, was eigentlich der Nordwestdeutsche Rundfunk als überparteiliche Institution zu tun gedenkt, diese Art von öffentlicher Aufhetzung eines Teils der deutschen Bevölkerung gegen einen anderen Teil künftig zu unterbinden, zumal kein Zweifel darüber bestehen kann, welchem System mit solchen Methoden Handlangerdienste geleistet werden. R.

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Der Fernschreib verkehr zwischen Westdeutschland und den USA wurde am 20. November aufgenommen. Eine 3-Minuten-Verbindung kostet 37,80 DM.