Stuttgart, im November

Der Gedanke eines Büros, das den MenschenIllusionen verschafft, die mehr sind als nur Illusionen: nämlich seelische Hilfe – reizte den jungen spanischen Dramatiker Alejandro Casona, der in Südamerika lebt, zu einer heiteren Bühnendichtung. „Bäume sterben aufrecht“ eine Komödie mit einem Schuß wohltuender Satire, war das Resultat, Peter Hamel vom Württembergischen Staatstheater setzte das in Deutschland noch nicht gespielte Stück (in der Übertragung von Lore Kornell) mit Erfolg in Szene.

Der erste Akt bringt eine etwas langatmige Exposition: Ein alter Herr und ein junges Mädchen geraten in das Büro für Illusionen und erfahren, was es damit auf sich hat. Im zweiten Akt, in dem der alte Herr seinen zwanzig Jahre nicht mehr gesehenen mißratenen Enkel aus Kanada erwartet – den die Frau des Alten abgöttisch liebt, da ihr Mann sie über dessen Schandtaten nie aufklärte –, beginnt die eigentliche Handlung, eine Verwechslungskomödie. Der mißratene Enkel und dessen Frau sind angeblich auf dem Meer ertrunken. Um der Großmutter das Fürchterliche zu verschweigen, ihr zugleich aber für ihre alten Tage das Glück eines kurzen Wiedersehens mit dem Enkel vorzugaukeln, bemüht ihr Mann das Büro für Illusionen. In der Persern seines Inhabers ersteht des Enkel, der liebenswürdigste Mensch von der Welt, und in seiner Klientin, dem jungen Mädchen, dessen Frau. Die alte Dame schwelgt in Glück. Nur! aber taucht unerwartet der wirkliche Enkel auf, der – einst von seinem Großvater vertrieben – ihn erpressen will. Die Lösung des Knotens ist die Erkenntnis der alten Dame, daß vorgespielte Illusionen zwar Glück sein können, aber dennoch Illusionen bleiben.

Else Heims, die wiedergekehrte Veteranin der einstigen Reinhardt-Bühnen, verlieh der Gestalt der Alten überzeugenden Ausdruck. Theodor Loos gab als Großvater eine eindrucksvolle Charakterstudie. Das Publikum feierte Stück und Darsteller. S–ck

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Ein Theater der Versuche, des Avantgardismus ist in Berlin im Haus der „Tribüne“ eröffnet worden. Ernst Schröder, als Regisseur und Darsteller in den Jahren nach dem Krieg immer von eigenem Profil, hat zusammen mit Ralph Lothar und einer Gruppe von bereits bewährten und einer anderen Gruppe von jungen Nachwuchsschauspielern dieses gemeinnützige Theater geschaffen, in dem man auf Teilung und nicht auf Verdienst spielen will. Aber man will das unbequeme Stück, das die gängigen Bühnen scheuen, Sartres „Tote ohne Begräbnis“ und Priestleys „Die ferne Stadt“ waren die ersten Premieren.