In diesem Jahre rechnen die westdeutschen Teichwirtschaften, die in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein konzentriert sind, mit einer „Karpfen-Ernte“ von 20 000 Ztr. Vor dem Kriege, als wir noch die großen Peitzer Karpfenteiche in der Nähe von Cottbus, die schlesischen und sächsischen Karpfenteiche hatten, erreichte die deutsche Karpfenerzeugung jährlich 120 000 Ztr. Wenn auch die Absatzgebiete sich verringert haben – sie beschränken sich in der Hauptsache auf Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg –, so dürfte doch auch in diesem Jahre der an sich günstige Fang von 20 000 Ztr. nicht ausreichen, um den Bedarf zu befriedigen. Der Großhandel wird daher gezwungen sein, die fehlenden Karpfenmengen zu importieren.

Leider hat es den Anschein, daß die Preise unserer Weihnachtskarpfen wieder recht „gesalzen“ sein werden. Bereits jetzt bestehen zwischen dem Karpfen-Großhandel und den deutschen Teichwirten erhebliche Spannungen infolge der Preisfrage. Von den Erzeugern werden für gängige Fische 1,60 bis 1,80 DM je Pfund ab Teich gefordert. Vor dem Kriege kosteten Karpfen ab Teich dagegen nur 60,– bis 65,– DM je Zentner. Der Großhandel, für den Transport und large Hälterung infolge Eingehens und Gewichtveilustes des Karpfens sehr kostspielig sind, steif auf dem Standpunkt, daß der Verbraucher-Endpreis unter 2,– DM je Pfund liegen muß. Bei einem Erzeugerpreis von 1,60 DM aber würde er weit über 2,– DM kommen, wie die Arbeitsgemeinschaft des Hamburger Karpfengroßhandels feststellt. Sollten hier wohl auch rücksichtslose Karpfenimporte das unausbleibliche – weil letzte – „Heilmittel“ sein? we