Schon um der äußeren Umstände willen hinkt der schon angestellte Vergleich mit Karl May: Der sich B. Traven nennt, lebt sogar für seine Verleger unauffindbar irgendwo in Mexiko, kann nicht unter fünfzig Jahre alt sein und war es immerhin einer amerikanischen – Zeitschrift wert, 5000 Dollar für seine authentischen Daten auszusetzen. Dieses Unternehmen hat zwar das Geheimnis nicht gelüftet, aber den Autor, dessen erste Bücher in den zwanziger Jahren deutsch erschienen, seiner beachtlichen Gemeinde wieder in Erinnerung gebracht. Jetzt haben gleich drei Verlage gleichzeitig je einen Roman der letzten fünfzehn Jahre zum erstenmal in Deutschland herausgebracht: Der Wolfgang Krüger-Verlag (Hamburg) „Caoba“, die im Denken der einfachen Peones gegebene Schilderung eines Zuges angeworbener Arbeiter zu den Mahagoni-Monterias im Dschungel; die Europäische Verlagsanstalt (Hamburg) „Die Rebellion der Gehenkten“, das in seiner selbstverständlichen Grausamkeit packende Traktat von der Erhebung der Mahagoni-Arbeiter; und endlich der Verlag Gustav Kiepenheuer (Berlin, Köln) das jüngste, 1940 in Mexiko erschienene Buch „Ein General kommt aus dem Dschungel“. Die Reife dieser Ballade einer Rebellion wird der aller Publicity abholde Traven wohl kaum noch übersteigern können. Nicht allein die mit quadratischen Bausteinen errichtete Handlung (die doch dahinströmt), noch die mit echten Worten gebaute Sprache, sondern die gerade durch seine Simplizität so erschütternde Diagnose vom Ablauf einer Revolution macht den magischen Bann aus. Einer Revolution noch dazu, die nicht nur im Sande verläuft, sondern sich auch noch als überflüssig erweist, da der Diktator bereits vor ihrem Beginn gestürzt wurde. Diese verdichteten Dokumente der indianischen Tragödie sollten ruhig die Wirkung haben, die Traven der Farbenfülle unterlegt hat. Arme Peones gibt es auch außerhalb Mexikos.

schl.

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Simone de Beauvoir: Amerika – Tag und Nacht. (Rowohlt Verlag, Hamburg, 432 S., Leinen 14,80 DM.) – Sehr subtil, reagierend auch auf die Nichtigkeiten des Alltages und als persönlichen Traum einer fremden Welt hat Sartres Schülerin und Gefährtin zwei Jahre nach Kriegsende die Vereinigten Staaten erlebt Die Eindrücke von vier Monaten haben in Tagebuchform eigenwilligen literarischen Niederschlag gefunden.

Richard Katz: Mein Inselbuch. (Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich 239 S., Leinen 12,50 DM.) – Der gelungene Versuch des versierten Reiseschriftstellers, die Seele Rio de Janeiros und der ihr vorgelagerten Insel Paquetä zu erfassen. Dieser Band schildert die ersten, 1941 gesammelten Erfahrungen, obwohl bereits drei andere Brasilienbücher gleicher Erlebnisnähe vorausgingen,

Erik Hesselberg: Kon-Tiki und ich. (Nymphenburger Verlagshandlung, 84 S., Leinen 6.80 DM.) – Der Steuermann des Flosses, mit dessen Fahrt von Peru nach den Osterinseln junge Norweger vor zwei Jahren die Besiedlung der Südseeinseln von Südamerika aus beweisen wollten, legt nun dieses humorige, mit vielen eigenen Zeichnungen versehene Tagebuch der abenteuerlichen Seereise vor.

Hermann Lautensach: Korea. Land, Volk, Schicksal. (K. F. Koehler Verlag, Stuttgart, 135 S., Leinen 7,50 DM.) – Mit profunder Sach- und Ortskenntnis (erworben während eines einjährigen Aufenthaltes im Lande selbst) führt der Professor für Geographie an der Technischen Hochschule Stuttgart in die historischen, sozial- und wirtschaftspolitischen und aktuellen Probleme Koreas ein. Bilder und Karten erläutern diese Exzerpt aus einem bereits 1945 erschienenen, schnell vergriffenen umfangreichen Werk