Als Auftakt zu der prachtvollen Erstaufführung von Orffs „Mond“ (siehe S. 4) gab es in der Hamburgischen Staatsoper eine Ballettpremiere. Dore Hoyer hatte Bartóks Streicher-Divertimento zum Anlaß einer choreographischen Szenenfolge genommen, einer tänzerischen Paraphrase über das Thema „Zigeuner“ (deren Musik ja häufig mit der ungarischen verwechselt wird). Obwohl man dabei, mit Dore Hoyer als Meisterin des Ausdruckstanzes an der Spitze, vollendete Leistungen einer beseelten Bewegungskunst sah, die im Verein mit Alfred Sierckes schönen bildlichen Andeutungen und Paul Schmitz’ temperamentvoller Orchesterleitung das Publikum entzückten, blieb doch die Frage offen, ob es angängig ist, eine eigenständige Konzertmusik in dieser Weise novellistisch auszudeuten. Es ist dies eine Anleitung zu einer Art, Musik zu hören und zu interpretieren, die sehr abseits unserer heutigen gereinigten Musikauffassung liegt. Man könnte sich absolute Musik ganz anders in Tanz übersetzt denken: ohne alles Anekdotische, ohne „Kostüm“, als abstrakte Widerspiegelung des musikalischen Vorgangs. Vielleicht wäre das eine Aufgabe, bei der sich der moderne Ausdruckstanz mit dem klassischen Ballett in neuem Geiste zusammenfinden könnte. A–th