Man kann nicht ins Wasser springen, ohne naß zu werden, das wissen wir alle. Und ebenso gut wissen wir, daß die alliierten Truppen, um die wir gebeten haben, nicht in Deutschland installiert werden können, ohne daß zusätzlicher Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Aber daß sämtliche Offiziere und Mannschaften, die angesichts einer möglichen Kriegsgefahr und ausdrücklich zur militärischen Sicherung hierher geschickt werden, ganz selbstverständlich Ihre Familien mitbringen, so als sei tiefster Friede und Deutschland ein normal bevölkertes, unzerstörtes Land, das ist denn doch überraschend.

In Nordrhein-Westfalen werden im kommenden Jahr für eine belgische Division 18 Kasernen und 2000 Wohnungen benötigt. General Bishop hat erklärt, daß ein Posten von 65 Millionen DM im britischen Besatzungshaushalt für Neubauten, mit denen schon begonnen wurde, zur Verfügung steht. In der niedersächsischen Stadt Verden aber sollen schon im Januar 50 Wohnungen, in denen 150 deutsche Familien wohnen, geräumt werden. Niemand weiß, wo sie Unterkunft finden sollen, Niemand weiß, wie bei derartigem Raumbedarf die 10 oder 20 alliierten Divisionen, von denen gelegentlich die Rede war, untergebracht werden können. – Uns scheint, daß es besser wäre, sich von vornherein grundsätzlich darüber klar zu werden, daß wir uns in einem Ausnahmezustand befinden. Ist nämlich die Gefahr wirklich so groß, daß Verteidigungsforbereitungen dieser Art getroffen werden müssen, dann gehören englische Frauen und Binder, die im Ernstfälle nur alle Rüchzugstraßen verstopfen würden, nicht in den „Frontbereich“. Da es sich außerdem ja nicht nur um unsere Verteidigung handelt, sondern zugleich um die Westeuropas, sollten gleiche Bedingungen für alle gelten – das heißt nicht mehr Besatzungsmaßstäbe, sondern Verteidigungsgesichtspunkte. Solange es noch Immer so ist, daß es Häuser mit zehn und mehr Zimmern gibt, in denen nur eine englische Familie lebt, dürfte es kein unbilliges Verlangen sein, daß erst einmal sie zusammenrücken, Dff.