In der Präambel des „Arbeitsplanes“, der im Juni den in Paris versammelten Delegationen vorgelegt wurde, stehen, besonders hervorgehoben, die folgenden Worte: „Die Bildung Europas läßt sich nur durch konkrete Taten, die vorerst eine wahre Gemeinschaft schaffen, und durch die Aufstellung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung verwirklichen.“ Die Präambel unterstreicht ferner die Bemühungen, „durch die Ausweitung der Grund-Industrien zur Erhöhung des Lebensstandards und zum Fortschritt der Friedensarbeit beizutragen.“

– In diesen? Geist hat auch Belgien am 9. Mai den Vorschlag Robert Schumans gehört und ihm sofort zugestimmt. In diesem selben Geist hat die belgische Delegation an den Arbeiten in Paris teilgenommen. Es ist der gleiche Geist, den Belgien heute sich in dem ersten Entwurf des Schuman-Planes wiederzufinden bemüht.

Gestehen wir es gleich: zwischen dem Geist und dem Buchstaben des im Entwurf befindlichen Planes bemerkt man derartige Unstimmigkeiten, daß man fast geneigt ist, skeptisch zu werden.

Selbstverständlich darf man bei einem Plan von derartigem Umfang – nach Abschluß der gröbsten Vorarbeiten, die keineswegs ein letztes Ausfeilen darstellen – nicht allzu sehr erstaunt sein, wenn der Weg zwischen Wille und Tat weit ist. Deshalb werden alle Menschen mit ausgeglichener Geisteshaltung weder eine extreme Haltung, dafür einnehmen, noch eine extreme Haltung dagegen billigen. Sie werden, vielmehr verlangen, daß man sich durch besseres Wollen und reifere Überlegungen bemüht, wenigstens eine vorbereitende Lösung zu finden, die der Mühe wert ist, mit verhältnismäßig guten Chancen versucht zu werden – auch wenn man nicht gleich auf den ersten Schlag zu dem Regime kommt, das man erwünscht. Zwischen allem und nichts ist Platz für etwas: für ein Erfordernis der Klugheit. Es obliegt den Fachleuten, zu entdecken, was dort vorhanden ist.

Wir beabsichtigen nicht, zu sagen, wie man im Sinne Belgiens zweckmäßig über einen ersten Schritt auf den von Herrn Schuman vorgeschlagenen Weg entscheiden könnte; das verbietet auch schon der beschränkte Raum, Es ist jedoch möglich, summarisch zu zeigen, wodurch sich Belgien beunruhigt fühlt und weshalb es schlecht begreift, warum man von Belgien verlangt, daß es seine eigenen Grundlagen zerstört.

In unserem Lande, in dem gute Kohlenlager relativ selten sind und das höhere Löhne hat als irgendein anderes Land Westeuropas, möchte es scheinen, als ob es keine Kohlenindustrie geben könnte, die in der Lage wäre, für die Nationalwirtschaft einen ausreichenden Beitrag zu leisten – wenigstens nicht zu Bedingungen, die es unseren Verarbeitern ermöglichen, beim Export der Konkurrenz zu begegnen,

Eine derartige Industrie gibt es aber; wenn sie auch nicht vollkommen ist, so ist sie auf jeden – Fall ehrenwert und leistet die Dienste, die man von ihr erwartet. Man muß jedoch begreifen, daß sie, die unter hohen Löhnen und unter undankbaren geologischen Gegebenheiten leidet, nicht dem Festpreis der deutschen Zechen, die wegen ihres wesentlich niedrigeren Gestehungspreises stark sind, widerstehen könnte, wenn wir es ihnen erlauben würden, in einem günstigen Augenblick in den belgischen Markt einzubrechen. Darauf leitet sich die Beschränkung ab, die die belgische Regierung der Einfuhr ausländischer Kohlen auferlegt.