Als Augenzeugin einer Fiesta mit Spaniens berühmter Stierkämpfen

Spaniens berühmte Stierkämpferin Conchita zieht sich in den Hafen der Ehe zurück. Bei Jacques Fath in Paris stellte sie ihre Hochzeitstoilette zusammen. Concha heißt Muschel. Conchita – also Muschelchen – ist die Tochter eines erfolgreichen Toreros.

An einem herrlichen Sonnensonntag saß ich in der Arena von Lima in Peru, wo Conchita gastierte. Die Kapelle spielte flotte, meist deutsche Märsche. Der Mut der Conchita lockt Zuschauer in besonders großer Zahl an. Immer dichter müssen wir zusammenrücken, neue Menschenmengen kommen die Treppen heruntergeströmt. Eine Fanfare wird geblasen als Zeichen des Ein- und Aufmarsches! Rechts öffnet sich ein riesiges Tor, und heraus kommen elegant gekleidete Toreros, in der Mitte von ihnen schreitet Dona Conchita in einem enganliegenden silbergrauen spanischen Männeranzug. Ein breiter schwarzer Hut beschattet noch ihr Gesicht. Ein reichgeschnittes silbergraues Cape wird von Conchita abgeworfen, und eine zarte tänzerische Gestalt steht vor uns. Mit Grazie zieht sie den Hut.

Auf die Brüstung der Logen von Freunden und Gönnern der einziehenden Toreros werden die farbigen Auftrittscapas gebreitet. Tief zieht der erste Kämpfer den traditionellen Zweispitzhut und wirft ihn in die Zuschauermenge. Damit zeigt er an, für wen er seinen Stier töten will und wen er damit ehrt. Ist es ein Mann, so wirft dieser den Hut mit einer großen Geldsumme (meist einem Scheck) an den Kämpfenden zurück. Reicht der Torero den Hut aber einer glutäugigen Schönen, so kommt das einer Liebes werbung gleich. Es kam aber schon einmal vor, daß für ein zweijähriges anwesendes Kind ein Stier getötet wurde, während das Kind mit großer Neugierde den Hut in den Händen behielt; vielleicht war es der Sohn des kämpfenden und siegenden Toreros. Als Conchita ihren Kampf beginnt, wirbelt sie mit einem ziegelroten Tuch vor der Nase des gereizten Stiers, Pirouetten drehend, einen unnachahmlichen Tanz. Jede Wendung und Drehung läßt den Stier haarscharf an ihrem schmalen Körper vorbeirasen, vom tosenden Jubel der Masse begleitet.

Das letzte Fanfarenzeichen befiehlt die Tötung des bis zum äußersten gereizten Stiers. Das Töten bedarf großer Geschicklichkeit, es kann ein ekelerregendes Schlachten sein. Dann fliegen Flaschen, Apfelsinen, Bananenschalen, faule Tomaten und alle greifbaren harten Gegenstände in die Arena. Aber Conchita tötet mit unnachahmlicher Eleganz. Sicher und eisern fest steht sie mit ihrem gestreckten Degen da, in den der Stier mit aller Kraft hineinrast. Sie weiß ihn so sicher tödlich ins Herz zu treffen, daß er wie ein gefällter Baum vor ihr in die Knie sinkt. Das verendete Tier brauchte nicht auf den Gnadenstoß des ganz kleinen Dolches zu warten, der ihn sonst von kundiger Hand ins Hirn treffen würde. Von Conchitas Hand fielen am gleichen Tage noch drei weitere Stiere. Inmitten von Blumen, Sand, Musik und Menschen stand die schlanke Amazone mit dem verschlossenen Gesicht und hörte den tosenden Beifall Tausender von Männern. Conchita verneigte sich und wischte das Blut von ihrem Degen. Abends aber betet sie vor dem Muttergottesbild, das sie stets bei sich führt. Witha Herrn