B. L. Hannover Ende November

Das Landesarbeitsgericht in Hannover sollte als zweite und letzte Instanz einer Fall entscheiden, den „Die Zeit“ bereits Mitte des Jahres in seiner ersten Instanz aufgegriffen hatte: Ob nämlich die fristgemäße Kündigung eines Bauarbeiters durch seine Firma in Hameln zu Recht bestand. Auch dann zu Recht bestand, wenn damals im Juni die Firma unter dem Druck der überwiegend gewerkschaftlich organisierten Belegschaft und des Betriebsrates handelte, weil der junge Arbeiter nämlich seinen Eintritt in die Gewerkschaft ablehnte. Es kam jetzt in Hannover überraschenderweise ein Veigleich zustande, wonach der Kläger sofort wieder zu den alten Bedingungen eingestellt wird und seine erkrankte Frau vom Arbeitgeber einen einmaligen Zuschuß von DM 150,– zu einem Erholungsaufenthalt erhält.

So menschlich anerkennenswert dieses Verhalten der Parteien auch ist, so bleibt die Frage nun doch offen, ob eine Berufsorganisation fordern kann, daß der Berufstätige ihr beitritt, oder ob nicht vielmehr die persönliche Freiheit, die durch das Grundgesetz garantiert wird, über jeder Forderung einer Berufsorganisation steht. Wenn die Gewerkschaft einem nichtorganisierten Arbeitnehmer vorwirft, er sei nichts als ein Nutznießer der gewerkschaftlichen Erfolge, dann könnte man mit ähnlicher Begründung allen Nichtwählern die Pensionen, die Arbeitslosenunterstützung unc die Wohlfahrtsrenten entziehen und die Benutzung aller öffentlichen Einrichtungen untersagen.

Leider ist also kein Präzedenzfall geschaffen worden und die grundsätzliche Entscheidung für die persönliche Freiheit und gegen den Willen der Gewerkschaften – oder umgekehrt – nicht gefallen. Zweifellos aber wird das bis heute noch nicht bestehende Bundesarbeitsgericht eines Tages ein solches Urteil fällen müssen.