Die Erhöhung der Schrottpreise um durchschnittlich 19 DM je t (also von 73 DM auf jetzt 92 DM) habe wieder „einen echten Schrottpreis“ geschaffen, erklärte der Schrottverband auf seiner Jahresversammlung. Der Graue Markt werde, wieder verschwinden. Wenig später hörte man aus den gleichen Kreisen, der Schrottpreis sei nach wie vor ein politischer Preis, ein „Polizeipreis“ sogar.

Die eisenschaffende Industrie, die heute einen Durchschnittserlös von 282 DM für Rohstahl erzielt (so kann man aus den Bilanzen der entflochtenen Werke entnehmen), hat nun ihre ernsten Bedenken gegen die Schrottpreiserhöhung angemeldet. Und wenn die Schrotthändler (s. oben) selbst erklären, daß sie „nicht glücklich über diese Erhöhung“ sind – warum dann eigentlich dies alles?

Der Handel behauptet, das Aufkommen ginge zurück bei „diesen schlechten Preisen“ und verweist auf Juli 1950 mit 700 000 t Aufbringung gegen 500 000 t im Oktober, während Inlandsverbrauch und Exportverpflichtungen 650 000 bis 700 000 t monatlich ausmachen. Aber wieso war der Schrottpreis von 70 bis 73 DM im Juli interessant und wieso soll er im Oktober nicht mehr interessant sein? Daß man Schrott in Pittsburg (USA) bis zu 50 $ je t oder 210 DM handelt, das ist bis zum deutschen Schrottlieferanten doch nicht durchgeschlagen? Auch heute bietet nämlich der Mann an der Haustür für Alteisen 2 Pfennig je Kilo (20 DM je Tonne – bei einem Endpreis von jetzt 92 DM) wie ehedem. Es war aber zu hören, daß die Preiserhöhung „voll nach unten weitergegeben wird“.

Nur weil die Völker in Korea aufeinanderschlagen, ist der bisherige Schrottpreis uninteressant geworden; einen ökonomischen Beweis für diese Entwicklung hat allerdings niemand vom Schrott angetreten. Dagegen war interessant, was das Vorstandsmitglied des Stahlvereins, Siegfried Seelig (ein potentielles Schwergewicht im Schrotthandel und -verbrauch), zu sagen wußte: „Auf Profitgier eingestellte Außenseiter des Schrotthandels bedrohen die Ausschöpfung unserer so schwer erkämpften Stahlquote. Wir werden dafür sorgen, daß nur diejenigen Handelsfirmen an den Schrottexport herangelassen werden, die zuerst die Anforderungen der deutschen Stahlwerke erfüllt haben. Die Sicherung unseres Bedarfes hat vorauszugehen.“

Diese Erklärung ist von politischem Gewicht, weil die Schuman-Plan-Länder neuerdings über 100 000 t monatliche Mehrforderungen gestellt haben, die einfach undurchführbar sind. Wenn der Verbandsvorsitzende Adloff jetzt von dem Schrotthandel Preis-, Sorten- und Lieferdisziplin fordert, so ist er zum Fürsprecher aller Wirtschaftskreise geworden. Rlt.