Von Jean Janès, Sonderberichterstatter des „Combat“, Paris

Ja, was denkt Monsieur Dubois von der Sache? Ist er dafür, ist er dagegen? – Ich habe eine ganze Reihe von Dubois befragt – vielleicht hießen sie gar nicht Dubois, sondern Faure oder Mercier oder Lafont – ich habe sie gefragt, was sie vom Schuman-Plan hielten: vier Fünftel gaben mir zur Antwort, daß sie „keine Meinung“ hätten, wie es in Gallup-Umfragen zu heißen pflegt.

Von einigen Ignoranten abgesehen – einer zum Beispiel wußte den Schuman-Plan nicht vom Monnet-Plan zu unterscheiden, dem innerfranzösischen Investierungsplan – wurde dieser Verzicht auf Stellungnahme ganz gescheit begründet. Einige sagten, sie hätten die Sache nicht genügend verfolgt und wollten nicht mitreden über etwas, wovon sie eine nur vage Kenntnis hätten. Andere wieder sagten, sie fühlten sich außerstande, die Auswirkungen des Plans im einzelnen zu übersehen und wollten ihr Urteil deshalb aussetzen.

Richtig fragen!

Es blieb mir also nichts übrig, als die „en bloc“ gestellte Frage in Einzelfragen aufzulösen: was sie über den Verzicht auf Souveränitätsrechte dächten, von einer übernationalen Instanz, die von den Regierungen unabhängig sei, vom Fallen der wirtschaftlichen Grenzpfähle, vom englischen Widerstand und so weiter...

Derlei Fragen sehen leicht nach Suggestivfragen aus, aber ich mußte es in Kauf nehmen, wollte ich das Gespräch nicht ins Stocken geraten lassen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: so zergliedert fand „die Sache“ eindeutige Zustimmung. Die gleiche Zustimmung, die sie beim fünften Fünftel von vornherein gefunden hatte.

Hier ist eine Einschaltung vonnöten: Es gibt eine Kategorie Dubois, auf deren Befragung ich verzichtet habe, die der kommunistischen Dubois. Nicht nur weil sie ganz von den Propagandaversammlungen gegen die Verlängerung der Militärdienstzeit auf achtzehn Monate in Anspruch genommen waren und vom Unterschriftensammeln für den Stockholmer Appell gegen die Atombombe, sondern weil ich von vornherein weiß, was geschehen würde, wenn sie dennoch einen Augenblick erübrigten, um an den Schuman-Plan zu denken. Sie würden in ihrem Gedächtnis suchen, und wenn ihnen irgendein Fetzen von dem in Erinnerung geblieben ist, was „L’Humanité“ oder „Libération“ oder „Ce Soir“ darüber geschrieben haben, so würden sie es mir aufsagen wie eine gelernte Lektion. Wahrscheinlich würden sie vom Landesverrat der Regierung reden, die unrentable Kohlengruben in den Cevennen opfern und französische Arbeiter zugunsten deutscher brotlos machen will. Was der Kommunistische Dubois sonst noch einzuwenden weiß, kann der deutsche Leser ebensogut im eigenen Lande hören oder lesen. Es ist, mit Verlaub zu sagen, gehupft wie gesprungen. Glücklicherweise wird die Zahl der Nachbeter aber immer kleiner. „L’Humanité“, unmittelbar nach dem Kriege das Pariser Morgenblatt mit der stärksten Auflage, ist von 400 000 Exemplaren auf 250 000 zurückgegangen und von der ersten Stelle auf die sechste gesunken.