Von unserem Korrespondenten

E. G. London, Ende November

Die Labour-Party verliert Wähler. Zwar hat kein Wahlkreis „die Seiten gewechselt“, doch haben drei Wahlkreise, in Glasgow, Oxford und Birmingham, erheblich größere Torymehrheiten als im Februar gezeigt.

Gewiß soll man die Bedeutung einzelner Nachwahlen in England niemals überschätzen; aber bei diesen drei Nachwahlen ließen sich erste all-.gemeingültige Veränderungen feststellen. Vor allem hat der verspätete, begrenzte britische Einsatz in Korea, im Kielwasser der Amerikaner (die jetzt sogar noch mit ihren Flugzeugen Wintersachen für die britischen Truppen abwerfen müssen), die Verärgerung über die Labourpolitik verstärkt. Nicht der Vorwurf ungenügender innenpolitischer „Kommunistenjagd“, wie bei den USA-Wahlen, wohl aber verletzter Britenstolz über einen „schlechten Eindruck“ bei der Kommunistenabwehr in Korea hat Labours „Mitläuferstimmen“ zum Schweigen gebracht oder sogar in Torystimmen verwandelt. Erst mit erheblichem Abstand, so meinen unparteiische britische Beobachter, sei Unzufriedenheit mit Labours Wohnungsbau und die Hoffnung auf das Toryprogramm von dreihunderttausend Wohnungen jährlich der Anlaß zu diesem Stimmungsumschwung.

Es sieht also im Augenblick schlecht aus für Labours Regierungszukunft. Schon eine Viertelmillion Labourwähler der letzten Wahl (von insgesamt 13 1/4 Millionen) können als zusätzliche Torywähler bei der nächsten Wahl den Ausschlag geben. Und eine halbe Million liberale Wähler, die konservativ stimmen, könnten ebenfalls Attlee entthronen. Mag sein, daß Attlee, auf irgendeinen glücklichen „Zufall“ hoffend, darum die Wahlen, die eigentlich fällig wären, noch bis zum kommenden Sommer hinausschieben will.