Bremen, Ende November Es hat sich gewiß höchst selten in der Geschichte des deutschen Theaters ereignet, daß der Vorhang am Schluß einer Uraufführung sieht ein einziges Mal mehr gezogen wurde. Das Theater am Goetheplatz zu Bremen darf sich nunmehr dieser Seltenheit berühmen. Intendant Willi Hanke hatte es, aus welchem Grund auch immer, für richtig gehalten, eine „Dramat Zukunftsschau in neun Bildern“ namens „Promethiden“ aufzuführen. Als Verfasser wird ein gewisser Ernst Barnewold genannt, über dessen bürgerliches Schicksal, wie das Programmheft vermeldet, so gut wie nichts in Erfahrung zu bringen ist. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Vermutung bestätigt, der wahre Name des Autors würde das unbegreifliche Verhalten des Intendanten verständlich machen.

Die „Zukunftsschau“ spielt zu einer Zeit, in der es nur noch zwei Mächte auf dem Erdball gibt: die Liga und die Conföderation. Drei Menschen, zwei Männer und eine Frau, haben sich die auf jede Entfernung hin wirksamen Todesstrahlen dienstbar gemacht. Marc, eine prometheische Natur (es widerstrebt einem allerdings das Wort „Natur“ im Zusammenhang mit den Barnewoldschen Schemen zu gebrauchen), will mit ihrer Hilfe die Weltherrschaft erringen. Walt, eine Art von Epimetheus, ist anderer Ansicht (welcher, weiß er selbst nicht genau). Vera, die Frau, steht wie üblich, zwischen den beiden. Nachdem sie, als „Dritte Macht“, von ihrem arktischen Eispalast aus den Ausbruch eines Weltkrieges verhindert haben, indem sie durch magnetische Stürme die Flotte der Liga in die Häfen der Conföderation und umgekehrt fegen, entschließen sie sich, auf Walts Drängen hin, den Menschen das goldene Zeitalter zu bringen, sofern sie sich verpflichten, der Dritten Macht zu gehorchen. Aber die Menschen wollen natürlich lieber im Weltenbrand untergehen, als ihre Freiheit verlieren, die darin besteht, daß sie erst einen brünstigen Boogie-Woogie tanzen und dann vor dem Kreuz teilweise in die Knie sinken. Als der böse Marc die Erde mit seinem Volksempfänger, der das Geheimnis der „teleenergetischen Konzentration“ birgt, vernichten will, wirft Walt ihn in eine Gletscherspalte, in der er, zum Entzücken der Zuschauer im Parkett, verröchelt. Er selbst, Walt, gedenkt den Rest seiner Tage im Eisschrank, Verzeihung, im „Eispalast“ zu verbringen. Aber die vereinsamte Dame Vera sprengt den Volksempfänger in die Luft, so daß nun auch, nachdem alle sonstigen Geräuschmaschinen schon vorher bemüht worden waren, der Donnerapparat betätigt werden kann. Im verdunkelten Bühnenrahmen erscheint ein projizierter Spiralnebel, den manche allerdings für ein Hefegebäck halten, und der Vorhang fällt endlich. Die Zuschauer, die während der überpathetisierten Deklamation die Schauspieler bedauert, über eine Reihe von Geschmacklosigkeiten den Kopf geschüttelt, an den „tragischen“ Stellen munter gelacht und nach rechts und links hin diskutiert haben, verlassen, was vorher aus Gründen einer schlauerweise fehlenden Pause nicht möglich war, eilends das Theater.

Als der Intendant am nächsten Tag die Presse gelesen hatte, setzte er das Machwerk ab. Der Hauptleidtragende ist vermutlich der Bremer Finanzsenator. Manfred Hausmann

In der „Ostdeutschen Ausstellung“ am Berliner Funkturm läst das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten von Andreas Schlüter aufgestellt worden. Es wurde in einem der Berliner Seen gefunden. Nach der Ausstellung soll es einen Platz im Charlottenburger Schloß erhalten.