DIE ZEIT

Im Trippelschritt

Während die Weltereignisse im Sturmschritt über die Erde rasen, trippeln die Staatsmänner des Westens zögernd, mit halben Entschlüssen hinterdrein, gewöhnlich mehr nach dem Gestern schielend, als an das Morgen denkend.

Keine Staatsjugend

Der Bundesjugendplan – über den wir in der vorigen Nummer bereits berichtet haben – ist während eines feierlichen Staatsakts im Plenarsaal des Bundestages verkündet worden.

Der Kreml lockt und droht

Locken und Drohen gehören im autoritären Staat zusammen wie das Plus und Minus in der Algebra. Der Grotewohl-Brief an den Bundeskanzler, der direkte Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowje zonenregierung über die Einigung Deutschlands gefordert hatte, verträgt sich deshalb gut mit dem „Gesetz zum Schutz des Friedens“.

Wettrüsten

Die Verkündung des nationalen Notstandes in den USA und das Nein des sowjetischen Vertreters Zarubin auf der 258. Sitzung über den österreichischen Staatsvertrag fielen fast in dieselbe Stunde.

Leibeigenschaft

Als Rußland 1861, zwei Generationen später als die meisten europäischen Länder, die Leibeigenschaft aufhob, erhielten 23 Millionen Leibeigener die persönliche Freiheit.

Wunder der Weihnacht

Viele Menschen haben sich gewundert, daß Weihnachten – im Unterschied zu den anderen großen christlichen Festen – eine so breite Ausstrahlung unter den Menschen unserer Tage hat.

Düstere Zeichen über Korea

Abends singen die Amseln über den Trümmern von Seoul. Koreaner sind abergläubisch. Die Amsel ist für sie der Unglücksvogel. Und welches Unglück die Amseln in diesen Tagen künden, darüber gibt es unter den eine Million zählenden Einwohnern von Seoul keinen Zweifel mehr.

DIE WOCHE

Die Außenminister und die Verteidigungsminister der zwölf Atlantik-Pakt-Staaten traten in Brüssel zu einer zweitägigen Konferenz zusammen.

Die unbekannten Flugzeuge

Wissen wir Deutschen eigentlich, was über unsLuftraum vor sich geht? Wir wissen es Kein Mensch in Deutschland kann heute sagen, wie viele Flugzeuge in irgendeiner Nacht das deutsche Hoheitsgebiet überfliegen.

Harry S. Truman

Schüchterne Verlegenheit stand in den Zügen des grauhaarigen bebrillten Mannes, der am 12. April 1945 gegen 19 Uhr, genau 9 Minuten nach dem Tode Franklin D.

Streit um Neu-Guinea

Bis heute noch ist Neu-Guinea in holländischem und australischem Besitz. Jetzt aber hat Indonesien seine Ansprüche auf den holländischen Teil erneut energisch angemeldet.

Das Leben als Wunschtraum

Das neue Stück des Amerikaners Eugen O’NeillDer Eismann kommt zeugt von des Autors Bemühen, „einen tragischen Bühnenstil zu entwickeln, der die umgewerteten Werte und Gefühle des modernen Menschen in eine Ausdrucksform preßt, die den heutigen Zuschauer hinreißt, und ihn spüren läßt, daß er mit den tragischen Figuren auf der Bühne tatsächlich identisch ist“.

Brecht am Bodensee

Ein außergewöhnliches Ereignis in den an kulturellen Veranstaltungen nicht armen Bodenseegebiet, war die Aufführung von Bert Brechts Verhör des Lukull (einmal im Konstanzer Rathaushof, einmal auf der Insel Mainau und einmal im Meersburger Pädagogiumssaal) durch eine Spielgemeinschaft deutscher und französischer Studenten, die als Gäste des „Instituts für internationale Begegnung“, (Freiburg, Abteilung Konstanz) hier mit noch anderen ausländischen Studenten auf vier Wochen zusammenleben, unter Leitung von Dr.

Kriegsgefangenenpoft

Von 500 000 in der Sowjetunion zurückgehaltenen Kriegsgefangenen spricht der britisch-australisch-amerikanische Antrag, der in der UNO – Vollversammlung zur Einsetzung einer dreiköpfigen Untersuchungskommission führte.

Spanischer Totentanz

Alejandro Casona (ein Freund des im spanischen Bürgerkrieg umgekommenen Garcia Lorca), der jetzt im selbstgewählten Exil in Südamerika lebt, hat in seiner im Theater am Brunnenhof zu München erstaufgeführten Ballade Die Frau im Morgengrauen die Hauptrolle dem Tode zugedacht.

Pressierte Presse

Nur fünf von den 28 Pariser Tageszeitungen der Vorkriegszeit erscheinen heute noch der konservative Figaro das katholische Blati La Croix, ferner L’Aube, das Zentralorgan des M.

Ärzte und Öffentlichkeit

In Hamburg ist zwischen Psychiatern und Journalisten eine ernste Mißstimmung entstanden. Die Ärzte wollen heilen, die Journalisten wollen die Öffentlichkeit informieren: ihre Mittlerschaft ist ihr Beruf.

Notizen

Das umfangreiche Privatarchiv des Komponisten, Dirigenten und Pianisten Serge Rachmaninow – mit Originalpartituren, bisher unveröffentlichten Briefen und anderen Dokumenten der glänzenden Karriere des in Europa und Amerika erfolgreichen Musikers – ist von der Witwe des 1943 verstorbenen Künstlers der amerikanischen Kongreßbibliothek in Washington zum Geschenk gemacht worden.

Trauer in Indien

Auf allen öffentlichen Gebäuden in Indien wurden die Fahnen der jungen Republik am 15. Dezember auf Halbmast gesetzt. An diesem Tage hatte das indische Volk den zweiten seiner großen Führer in der erfolgreichen Revolution gegen die englische Kolonialherrschaft verloren – den stellvertretenden Ministerpräsidenten Wallabhai Patel.

Bis der Weihnachtsbaum stirbt

Wenn sie nach Hause kam, lachte und plauderte sie und tat geheimnisvoll, während die Kinder ins Schlafzimmer eingeschlossen wurden, denn sie durften nichts sehen.

Feuilleton: Diktator für 2 Mark

Es ist die Stärke und die Schwäche des Rundfunks,daß er eine Institution für alle ist. Stärke, weil es kaum eine andere publizistische Einrichtung gibt, die auf so breiter und sicherer materieller Basis ruht.

Die himmlischen Chöre

Den Engel – so berichtet der Evangelist Lukas –, der den Hirten auf dem Felde erschien, um ihnen die himmlische Botschaft zu verkünden, umgab die „Menge der himmlischen Heerscharen“, um Gott zu loben und den Menschen Frieden zu verheißen.

Ein Gebet findet sein Echo

Ein Mann namens Fori kam auf die Idee zu beten. Als Kind war er von gewisser hergebrachter Frömmigkeit gewesen; denn seine Eltern stammten vom Lande.

Rückvergütung ist keine Dividende

Der Aufsatz „Steuerprivileg der Genossenschaften“ in der „Zeit“ vom 7. Dezember 1950 ist bei den Genossenschaften auf Widerspruch gestoßen.

„Santa Ursula“

Mit 6300 BRT lief am vergangenen Sonnabend auf der Werft der Hamburger Howaldtswerke A.G. als größtes deutsches Neubauschiff MS „Santa Ursula“ von Stapel.

Eine „Makkaroni-Woche“ in USA

Als Spaghetti-Esser sind die Italiener Mitglieder einer idealen, klassenlosen Gemeinschaft und damit Repräsentanten des Volkskultes der „pasta asciuta“ Iß diese Speise und ich sage dir, ob du ein Italiener bist – so mag es bisher geheißen haben.

Kamin-Gespräche in Torquai

Den dritten Monat parlieren nun die Vertreter der am Welthandel interessierten Völker (darunter der Tschechoslowaken von „hinter dem Vorhang“) im englischen Seebad Torquai.

Arbeitsnormen für die Marktforschung

Die Ausarbeitung von Arbeitsnormen für die deutschen Marktforschungsinstitute ist jetzt auf der Tagung des Arbeitskreises für betriebswirtschaftliche Markt- und Absatzforschung in Hamburg beschlossen worden.

Gäste aus Nahost

Auf Einladung des Nah- und Mittelost-Vereins Hamburg besuchte der Handelsrat bei der türkischen Mission in Deutschland, Bay Mahmut Seyda, die hamburgische Kaufmannschaft, mit der er bereits seit seiner Diplomatenzeit in Berlin und seiner Tätigkeit beim türkischen Handelsministerium in Ankara enge Beziehungen hat.

Die Frau als Doppelverdienerin

Frauenemanzipation? Es stehen heute Fragen auf dem Spiel, die weitaus größere Bedeutung haben als die Schlagworte jener Frauenbewegung, die unter dem Motto „Emanzipation“ den damals ausschließlich tonangebenden Männern den Kampf angesagt hatte.

Holzschutz, warum, womit und wie?

Seitdem die Menschen Holz verwerten, sind sie bemüht, diesen kostbaren Roh- und Werkstoff vor Fäulnis und Fraß zu bewahren. Wenn wir Mereschkowsky Glauben schenken wollen, so ist bereits im 15.

Franz Josephs Freundin

Den „Roman einer Wienerin“ nennt Joachim von Kürenberg seine Biographie der Schauspielerin Katharina Schratt, die als Freundin und Ratgeberin des alternden Kaisers Franz Joseph zu den einflußreichsten und volkstümlichsten Persönlichkeiten aus den letzten Jahrzehnten der Donaumonarchie gehört.

Eine mexikanische Jeanne d’Arc

Wer war Malinche oder Doña Marina? Ich gestehe, ich wußte es nicht. Ich erfuhr es erst durch einen bei uns noch unbekannten Amerikaner, dessen Namen man sich merken wird: Haniel Long.

Erinnerung und Gedanke

Bernhard Guttmann: Schattenriß einer Generation. 1888–1919. (K. F. Koehler Verlag, Stuttgart, 347 S., Leinen DM 10,80.) – Guttmann, seit langem zur Elite des deutschen Journalismus zählend, war achtzehn Jahre alt, als Wilhelm II.

Kleine Rundschau für die Kinder

Halvor Floden: Das Mädchen von der Landstraße. Johann Fabricius: Flipje. Roman eines Dreikäsehochs. (Hermann Schaffstein Verlag, Köln, 152 S.

Unter dem Tannenbaum

Als Klara aus dem Geschäft nach Hause kam, war es noch früh. Sie hatte Zeit, ohne Hast alle Vorbereitungen für den Abend zu treffen.

Das Glockenwunder von Oberbertingen

In der Weihnachtszeit des Jahres 1949 wurden die Bauern von Oberbertingen gegen Mitternacht durch das Läuten ihrer Kirchenglocke aus dem Schlaf geschreckt.

Von den Unaussprechlichen

Der Pariser Modeschöpfer – es war einer der berühmtesten gewesen – sagte: "Gott schuf die Menschen, ich korrigierte ihn". Er war sehr eingebildet.

Die Helmstedter Ente

Die Puppen, mit denen heute die kleinen Mädchen spielen, haben einen phantastischen Stammbaum. Zu ihren Ahnen gehört nicht nur die primitive Tonpuppe der Negerstämme, sondern auch die Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“.

Wenn Kinder zeichnen und lesen

Dies Bild kann einen doch betroffen machen“, sagte Alf Hentzen, der die Ausstellung der Kestner-Gesellschaft in Hannover so liebevoll leitet und betreut.

Der Weihnachtskoch

Es gibt Sonntagsmaler, Sonntagsreiter, Sonntagsköche. Es steht aber fest, daß die Männer, die sonntags kochen, darin eine größere Fertigkeit erreicht haben als die Pferdefreunde im Sonntagsreiten und die Kunstadepten im Sonntagsmalen.

Moderne Klassikerausgaben

Man kann sie antiquarisch kaufen, Lessing, Goethe, Eichendorff und alle anderen; aber man kann sie auch neu kaufen. Der Unterschied scheint nur im Preis zu bestehen (neu sind sie meist teurer); alles übrige, meint man, müsse doch eigentlich das gleiche sein – aber es ist eben doch nicht das gleiche: Nicht nur der Einband ist moderner, sondern auch Textgestalt, Auswahl, Anordnung, Kommentar; und je mehr man sich damit befaßt, desto deutlicher sieht man, welchen Unterschied es macht, in welcher Art ein Klassiker dargeboten wird.

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