Die Behauptung, daß es heute in Deutschland einige Tausend Familien gibt, die für jedes Kind einen monatlichen Kinderzuschuß von 200 DM erhalten, erscheint reichlich unglaubwürdig; insbesondere, wenn man berücksichtigt, daß die deutschen Beamten nur ein Kindergeld von 20 DM erhalten. Es handelt sich hier jedoch keineswegs um ein Märchen, sondern die 200 DM werden tatsächlich gezahlt – allerdings nicht an Deutsche, sondern an die französischen Familien in "ihrer" Besatzungszone. Ein französischer Wehrmachtangestellter mit vier Kindern erhält also allein für diese 800 DM im Monat, zusätzlich zu dem normalen Gehalt. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, wenn die Kosten für die französische Besatzungsmacht besonders hoch sind, und daß 20 v. H. der Besatzungskosten auf ihre Zone entfallen, obwohl dort nur 11 v. H. der Bevölkerung des Bundesgebiets leben.

Zu wenig bekannt ist ferner, daß für die französische Besatzungsmacht außer den "normalen" Kosten für Besatzungsangestellte, Mietentschädigungen, Transportleistungen usw. auch noch eine monatliche Barkontribution von 27 Mill. DM aufgebracht werden muß. Über die Verwendung dieser Mittel werden keine Angaben gemacht. Es ist jedoch anzunehmen, daß damit die Aufwendungen für die französischen Schulen, Kindererholungsheime, Ferienlager usw. sowie die DM-Zahlungen an die französischen Besatzungsangehörigen in Deutschland bestritten werden, denn deren Gehälter werden zu einem Teil in D-Mark ausgezahlt, d. h. zu einem besonders günstigen Umrechnungskurs in D-Mark umgewechselt.

Selbstverständlich liegt es uns fern, den Besatzungsmächten Vorschriften über die Verwendung der Besatzungskosten machen zu wollen. Es wäre jedoch zweckmäßig, wenn sich die alliierten Besorgnisse über den Ausgleich der deutschen Etats nicht immer wieder nur auf die Einnahmeseite beschränken, sondern sich auch der Ausgabenseite zuwenden würden. Es ist für alle Beteiligten unerfreulich, wenn die Schweizer Zeitung "Die Tat" zu der Feststellung gelangt, von den Besatzungsmächten werde "auf deutsche Kosten aus dem Vollen gewirtschaftet". sr.