Das Philosophieren hat in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr aufgehört, eine Angelegenheit der Philosophen "von Fach" zu sein. Einfacher ist es dadurch nicht geworden, und die Sprache der Philosophie nimmt nicht an Verständlichkeit zu, wenn sie von den einen als Zeichensystem, von den anderen als dichterisches Aussagen und von vielen bald wie jenes verwendet, bald wie dieses verkündet wird. Der noch Ungewohnte, der "Laie" sozusagen (der sich als solcher fühlt, obwohl es in der Philosophie den Fachmann, seinen Gegenpart, nicht gibt), wird darum gern zu einem Hilfsmittel greifen, das ihm, wie das Knäuel der Ariadne, einen Faden durch das Labyrinth zu liefern verspricht. Etwa zu einem "philosophischen Wörterbuch". Hier aber fängt die Schwierigkeit erst an. Denn die Wörter haben nun einmal in der Philosophie so wenig eine fixe Bedeutung wie in der lebendigen Sprache selbst, und die Geschichte jedes einzelnen von ihnen würde sogleich zu einer Geschichte der ganzen Philosophie. Ein Wörterbuch kann also nur ein erster Notbehelf sein. Doch um so sorgsamer müßte bedacht werden, was man dem Ratsuchenden bietet. Wenn er etwa, von dem Namen Heidegger beunruhigt, nach einer ersten Erläuterung sucht und nur erfährt, dieses "Haupt der phänomenologischen Schule" führe "die Phänomenologie zur Wissenschaft vom Sein des Seienden", so ist das wenig, und dies wenige ist unbestimmt. Sieht er aber, durch den Hinweis "Vgl. Existenzphilosophie" verlockt, unter diesem Stichwort nach und soll sich etwas bei der Belehrung denken, daß Heidegger "das Dasein von einer allgemeinen Seinslehre aus verstehen will", während "der neben Heidegger andere Existentialphilosoph Jaspers in umgekehrter Weise im Dasein das Sein erfassen will", dann ist er ganz und gar in der Gemütsverfassung des Schülers, der vor Mephisto steht.

So leicht ist ein wissenschaftliches Hilfsmittel nicht à jour zu bringen, wenn die Sache, der es dienen will, in so lebhafte Bewegung gekommen ist. Max Apel, der Verfasser der eben zitierten Sätze, ist aber mehr für Stabilität. Er hat für seine dritte Auflage des (als Band 1031 der Sammlung Göschen bei Walter de Gruyter & Co. in Berlin erschienenen) "Philosophischen Wörterbuches" sich sehr stark auf seine zweite, an den Sprachregelungen der Jahre vor 1945 orientierte, gestützt. So hatte er für Kierkegaard nur die Hälfte der Zeilenzahl, die er Othmar Spann nach wie vor widmet, Namen wie Freud und Ernst Cassirer fehlen auch jetzt, anstatt von Dewey, Russell und Croce erfährt der Leser von Houston Stewart Chamberlain, und für Keyserling wird ihm Richard Müller-Freienfels geboten – wohl weil er der neben Keyserling andere Irrationalist ist. cel.