Als Augenzeuge bei der Öffnung eines dreitausendjährigen peruanischen Mumienfundes Dies ist ein Augenzeugenbericht über die Untersuchung eines sehr bedeutsamen archäologischen Fundes: Amerikanische Forscher enthüllten unlängst einen Mumiensack und fanden das Skelett eines peruanischen Hohenpriesters, der vor etwa dreitausend Jahren lebte.

New York, Ende Dezember

Im Museum of Natural History zu New York drängten sich einhundertfünfzig aufgeregte Menschen um einen großen Tisch: Archäologen, Museumsbeamte, Diplomaten, Damen der Gesellschaft erlebten ganz im Stile des zwanzigsten Jahrhunderts die Sensation der Öffnung eines peruanischen Mumienbündels aus der Zeit der Paracas-Kultur. Alle großen amerikanischen Radiostationen hatten ihre Berichterstatter geschickt, Filmleute bauten ihre lichtstarken Lampen auf. Die Szene wurde sogar für die Schulen durch Fernsehapparate übertragen und erweckte helle Begeisterung bei der Jugend. Im Saale selbst herrschte eine aufgeregte, erwartungsvolle Stimmung. Sonst war man wohl gewohnt, daß Gelehrte in aller Stille arbeiteten und daß sie die sorgfältig überprüften Ergebnisse ihrer Forschung der wissenschaftlichen Welt vorlegten. Hier, im New York von 1950, war die Öffnung einer Mumienhülle das große Tagesereignis, mit dem sich die Öffentlichkeit anläßlich des kürzlich veranstalteten Kongresses der südamerikanischen Archäologen beschäftigte. Tatsächlich stellen die Ergebnisse dieser öffentlichen, etwas theaterhaften Mumienuntersuchung eines der größten archäologischen Ereignisse auf dem Gebiete der südamerikanischen Forschung dar.

"Ein Mumienbündel der Paracas-Kultur?", fragte eine Dame. "Was soll das heißen?" Und einer der Professoren erwiderte: "Die Paracas-Kultur blühte vor 3000 Jahren an der Südküste von Peru. Weil dort das Wüstenklima so außerordentlich trocken ist, sind alle bisherigen archäologischen Funde aus dieser Gegend bemerkenswert gilt erhalten gewesen. Das trifft besonders für die Mumienbündel zu." – Die wißbegierige Dame war sehr gepflegt und sehr modisch gekleidet. Sie lauschte entzückt, als der Professor fortfuhr: "Aus der Paracas-Periode der Kultur Perus stammen die schönsten und interessantesten Kleiderstoffe, die feinsten Stickereien und Webereien, die phantasievollsten Ornamente und die leuchtendsten Farben."

Derweil stand auf dem mit Wachstuch bedeckten Tisch noch unberührt dieses Paracas-Mumienbündel und sah aus wie ein riesiger, sich nach oben verjüngender Stoffbeutel.

"Wie schade", so sagte halblaut ein junger, bebrillter Mann, "daß Dr. Tello diesen Augenblick nicht mehr erleben konnte!"

400 Bündel– ein sensationeller Fund