Von Ralph J. Bunche

Ralph J. Bunche, der im Dezember durch Hamburg nach Stockholm reiste, um dort den Friedens-Nobelpreis in Empfang zu nehmen, hat zur Jahreswende das Wort an die deutsche Jugend gerichtet. Es ist ein bedeutsames Ereignis, wenn ein Mann dieses Formats, fern allen Eifers und jenseits aller vordergründigen Ideologien, sich an die deutsche Jugend wendet und eine Welt beschwört, in der Gleichberechtigungeine natürliche Voraussetzung ist.

Ich ergreife gern die Gelegenheit, eine kurze Neujahrsbotschaft an die deutsche Jugend ab einen Teil der Jugend der Welt zu richten. Ich weiß genau, daß es wie eine banale Redensart klingt, wenn man sagt, die Zukunft gehöre der Jugend aller Länder – aber es ist so. Denn, wenn es darum geht, daß der Friede in der Welt gewahrt werden soll und daß sich eine künftige Weltordnung auf Friede und Gleichberechtigung für alle Völker aufbauen muß und auf die Achtung vor den menschlichen Grundrechten und Grundfreiheiten, dann kann dies, nur geschehen, wenn die Jugend der Welt ihr Denken umstellt auf jene erdumspannende Sicht, die allein diese Ziele in Reichweite rücken kann.

Wir Älteren ändern unsere Ansichten nur langsam und widerstrebend. Wir klammern uns hartnäckig an überalterte Vorurteile. Die Jugend aber hat nicht nur die Chance, aus den tragischen Irrtümern der Vergangenheit zu lernen und Besseres zu gewinnen; die Jugend ist es auch, die den Atomkrieg der Zukunft auszukämpfen hätte. Darum muß gerade die Jugend sich für Frieden und Brüderlichkeit zwischen den Menschen einsetzen, denn sie allein können die Welt vor der endgültigen Katastrophe retten.