Wenn Kinder Erwachsenen auf die Schliche kommen, geht es für die Erwachsenen meist nicht gut aus. In Erich Kästners letztem Kinderroman "Das doppelte Lottchen" sind die Kinder dazu noch Zwillinge, zwei Mädchen, die die geschiedenen Eltern vor Jahren unter sich aufgeteilt hatten, wie ihre Möbel oder ihr Geld, Die Kinder treffen sich in einem Ferienheim, erkennen, daß sie Geschwister sind, und beschließen, die "Erwachsenengemeinheit" nach Jahren wieder einzurenken durch kindliche List, Luise und Lotte – so heißen die Zwillinge – "vertauschen" einander: zu den in Wien und München lebenden Elternteilen fährt das falsche Kind zurück und spielt das richtige. Gegen allerlei widrige Umstände und sogar gegen die Geliebte des Vaters gewinnen die beiden Mädchen die Schlacht um das verlorengegangene Familienglück.

Josef von Baky als Regisseur und Kästner selbst als Drehbuchautor und Sprecher haben diese Geschichte von den Zwillingen verfilmt, die durch die Kraft ihrer Kinderherzen über die Erwachsenenwelt triumphieren. Jutta und Isa Günther, die in Geiselgasteig unter vielen Zwillingspaaren ausgesucht wurden, sind zwei liebenswerte kleine Mädchen, nicht nur süß und nett, sondern auch nachdenklich, wenn sie sich darüber beklagen, daß die Erwachsenen so viel tun, ohne die Kinder zu fragen. Die Eltern allerdings, die von ihnen wieder zusammengeführt werden – im Film sind es Antje Weißgerber und Peter Mosbacher – gehören auch zu den gutartigen Erwachsenen, bei denen noch nicht Hopfen und Malz verloren ist.

Denn es ist ein Glaube des Spötters Erich Kästner, daß es, weil alle einmal Kinder waren, auch mit den Erwachsenen nicht so ganz schlecht stehen kann. P. Hühnerfeld

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Was der Regisseur Harald Braun (der auch zusammen mit Herbert Witt das Drehbuch schrieb) vorgehabt hat, war gewiß gut gemeint. Er wollte die mit der erfolgreichen "Nachtwache" begonnene Linie fortsetzen und auch in seinem neuen Film ein echtes Zeitproblem gestalten. Seine Absicht konnte jedoch nicht gelingen, da der dramatische Ablauf der Handlung zu uneinheitlich und ohne wirkliche Steigerungen erdacht wurde. Der alte Kampf zwischen Gut und Böse hat im modernen Menschen das Gefühl der Lebensangst verursacht. Die Fürsorgebeamtin Elisabeth Hollreiser ist durch ihren Dienst in einem Barackenlager von-1950 so sehr verhärtet, daß sie nicht mehr an Hilfe für andere Menschen denken kann. Da ruft die Begegnung mit neu eintreffenden Flüchtlingen ein Kindheitserlebnis aus dem Jahre 1910 wach, und hier wagt der Film den entscheidenden Schritt von der Realität in die Traumwelt. Engel und Teufel werden personifiziert durch den Seilartisten (Dieter Borsche) und den Zauberer (Werner Krauß), die "Boten", die schon während der Erscheinung des Halleyschen Kometen auf Erden wirkten. Damals behielt Luzifer die Oberhand. Die Partie bleibt offen, wenn auch in der Gegenwart der Engel (der jetzt als Lokomotivführer seinem Widersacher, dem Kantinier des Lagers gegenübertritt) den Kampf um Elisabeths Seele gewinnt: sie rettet ein verzweifeltes Flüchtlingsmädchen vor dem Selbstmord. Betrüblich ist, daß diese Handlung mit rein gedanklicher Symbolik überladen wurde, anstatt sie mit filmischen Mitteln anschaulich zu machen. So bleibt als Gewinn des Films, der als erster die Bundesbürgschaft erhielt, nur das überaus eindrucksvolle Debüt Maria Wimmers (Elisabeth) und Elfriede Kuzmanys (Flüchtlingsmädchen) auf der Leinwand sowie das erfreuliche Wiedersehen mit der kleinen Angelika Voelkner. Werner Schwier