Zu unserer kritischen Betrachtung über das Gutachten "Kosten und Spannen von Groß- und Mittelbetrieben des Einzelhandels" (vergl. "Die Zeit" Nr. 42) schreibt uns die Arbeitsgemeinschaft der Groß- und mehrstufigen Betriebe im Einzelhandel (Düsseldorf) einige ergänzende Darstellungen. Wir hatten in unserer Betrachtung u. a. einen Teil der Neubeschaffungen von Inventar und diesbezügliche Abschreibungen nicht als Kosten der Handelstätigkeit, sondern als eine Vermögensbildung angesehen und uns daher nicht mit dem Gutachtersatz von rund 1 v. H. des Umsatzes bei. einer Streuung von 0,07 v. H. bis 5,24 v. H. voll einverstanden erklärt. Hierzu heißt es: wir sollten doch "nicht päpstlicher als der Papst sein" – wobei als Papst also das Finanzamt gemeint ist. Vorweggenommene Abschreibungen seien nur in soweit darin enthalten, als sie das Finanzamt zubillige.

In der Kostenart Steuern, die eine Streuung von 3,06 bis 5,26 v. H. vom Umsatz und einen Durchschnittswert von 4,25 v. H. im 1. Viertel 1950, zeigt, seien neben der Umsatzsteuer auch die Gewerbeertragssteuer, Gewerbekapitalsteuer, die Vermögenssteuer, soweit diese auf das gewerbliche Vermögen entfalle, und ferner die Lohnsummensteuer enthalten.

Zu der stark unterschiedlichen Auffassung zwischen uns und dem Gutachten bei der Beurteilung der Personalkosten ist wesentlich, daß das Gutachten unter Personalkosten auch die sogenannten kalkulatorischen Unternehmerlöhne miteinrechnet, was wir im Interesse einer Fragestellung (die im Gutachten natürlich nicht gestellt wird), nämlich: "was wirft der Handel an steuerlichem Gewinn ab?", bedauern. Aus dem Gutachten ist zu entnehmen, daß bei einer 8%igen Gehaltserhöhung der Angestellten von der Währungsreform bis März 1950 die Personalkosten, gemessen am Umsatz, von 8,5 bis 10,7 v. H., also um rund 25 v. H., gestiegen sind. Wir haben daraus und auf Grund vieler Einzelerfahrungen den Anteil der unternehmerischen Tätigkeitsvergütung auf Umsatzsteuerhöhe veranschlagt.

Die Arbeitsgemeinschaft hat diese Kostenart zwar nicht gesondert untersuchen lassen, sie bittet uns aber, darauf hinzuweisen, daß ihres Erachtens diese Schlußfolgerung nicht richtig sei. Die Entwicklung der Personalkosten, bezogen auf den Umsatz, werde nicht allein aus dem effektiven Aufwand sichtbar, sondern werde auch durch Schwankungen der Personalzahl, Umsatzänderungen, Änderungen in der Umschlagshäufigkeit des Lagers, die seit der Währungsreform stark differierte, durch Preisänderungen und anderes mehr beeinflußt Es könne der bei Mittelbetrieben übliche Anteil der Unternehmerlöhne auf etwa 5 v. H. der Personalkosten geschätzt werden. Es sei aber bei der Betrachtung dieses Ergebnisses zu berücksichtigen, daß die berühmte 50 v. H.-Grenze der Einkommensteuer 1949 schon ab 25 000 DM überschritten wurde und bei 100 000 DM rund 77 v. H. erreichte.

Die Arbeitsgemeinschaft ist der Auffassung, daß bei einer Kostenuntersuchung, wie sie durchgeführt wurde, Personal- sowie Kapitalgesellschaften zu mischen sind und folglich eine Tätigkeitsvergütung für die Unternehmer etwa in Höhe der Direktorengehälter in den Kapitalgesellschaften als volle Kosten einzusetzen sind. Diese Auffassung ist zwar vom Standpunkt einer statistischen Durchschnittserhebung richtig. Er ermöglicht unseres Erachtens aber nicht, zu einer Analyse der Kapitalbildungsquellen (und ihres-Anteils, der über die Kosten gebucht wird), zu kommen. Die volkswirtschaftlich interessante Betrachtung der Kapitalbildung, auch soweit sie durch die Steuergesetzgebung bedingt wird, und die bei allen Wirtschaftszweigen, nicht nur beim Handel, vor sich geht, wäre zur Stunde von großem Interesse. Die Auffassung, daß besonders im Handel zur Zeit "viel Geld gemacht" wird, ist verständlich, weil der Einzelhandel der einzige Wirtschaftszweig ist, der – sagen wir in diesem Falle – das "Pech" hat, Schaufenster und Fassade zu haben! Was an stiller Kapitalbildung dagegen zum Beispiel in den letzten Jahren im Bergbau geleistet worden ist, entzieht sich noch dem Blick der Öffentlichkeit, denn die Erde ist schwarz und tief ... Vielleicht werden aber auch hier einmal Einblicke möglich sein, wie sie zur Stunde z. B. bei den bilanzierenden Stahlwerken – leider nicht bei allen in gleichaufschlußreicher Form – gegeben werden. R.