Daß kürzlich neun in Frankreich gefangene ehemalige Angehörige der SS, die angeklagt waren, Kriegsverbrechen begangen zu haben, vom Militärgericht in Bordeaux freigesprochen wurden, weil eine persönliche Schuld nicht erwiesen: war, ist mit Recht in Deutschland stark beichtet. worden. Die "Zeit" hatte bereits am 6. Juli 1950 (Nummer 27) über den "Fall Ascq" ausführlich berichtet, der dem Prozeß zugrunde lag: Angehörige der 12. SS-Division "Hitler-Jugend" hatten Anfang April 1944 in dem nordfranzösischen Städtchen Ascq ein Massaker unter den Einwohnern angerichtet, weil Leute der Resistance Eisenbahnschienen gesprengt hatten. Der Pariser Sonderberichterstatter der "Zeit", Jean-Charlot Saleck, hatte nicht nur diese Greueltat selbst geschildert, sondern auch das Unrecht jenes französischen Gesetzes vom 15. September 1948 angeprangert, nach dem Angehörige einer in eine verbrecherische Kriegshandlung verwickelten Einheit auch dann bestraft werden können, wenn einzelnen eine persönliche Schuld nicht nachgewiesen werden kann. Dies war bei den neun Angeklagten der Fall. – Das Gesetz, besteht noch heute, und dennoch wurden die in erster Instanz zum Tode Verurteilten diesmal freigesprochen. Das soll für uns ein Anlaß sein, den französischen Richtern zu danken, die hier Gerechtigkeit höher stellten als ein Gesetz; Doch ist noch ein anderer Hinweis notwendig: Es waren die bedeutenden französischen Publizisten Jean Schlumberger im Figaro und Gabriel Marcel; in den Témoignages Chrétiens, die – wie Zola im Falle Dreyfus – leidenschaftlich gegen jenes Gesetz protestierten. Nicht nur den Richtern von Bordeaux, auch diesen Männern, und mit ihnen der französischen. Öffentlichkeit, haben die neun jungen Deutschen ihr Leben zu danken. M