spät abends ein Telephonanruf: "Wir versprechen Ihnen eine Sensation aus einer Sache, die uns eine Herzensangelegenheit ist." Anderen Morgens rückten sie mit der Sprache heraus, die beiden Heidelberger Studenten, deren Name heute in aller Munde ist: Georg von Hatzfeld, der Sohn des rheinischen Dichters, und René Leudesdorff aus Ostpreußen; Jurastudent der eine, Theologiestudent der andere. "Wir werden nach Helgoland gehn und dort solange bleiben, bis alle Welt weiß, daß das Unrecht an der Insel wiedergutgemacht werden muß!" – Kälte... Stürme über der See... kein Raum für eine Unterkunft, es sei denn in dem noch immer aufrechten Flakturm... vielleicht auch keine Möglichkeit, Nachricht zu geben... "Entweder ein kleiner Sender", erwiderte Hatzfeld unbekümmert, "oder eine Brieftaube." Man konnte die Bemerkungen einiger britischer Politiker schon voraussagen (in die ja dann sogar ein deutscher Landrat einstimmte), es handele sich um einen "Dummenjungenstreich", um "Abenteuerlust", um "Geltungsbedürfnis". Aber was der Wirklichkeit entspricht und von gewissen Politikern nicht verstanden wurde – dem Volks wurde es sofort klar: Die beiden Studenten wollten eine wagemutige Demonstration um eine gute Sache; sie sind Idealisten, die nach Helgoland gingen, weil sie an Deutschland und Europa glauben: der eine – Hatzfeld – unruhig-gewandt, von schneller Entschlußkraft und anregend, der andere – Leudesdorff – ruhig, still und durchhaltend. Man rätselt so viel am Charakter der heutigen Jugend herum. Da saßen die beiden, kühl und begeistert zugleich, und wußten, was sie wollten. Anderen Tages fuhren sie los, und dann hörte man, ihre Brieftaube (denn mit dem Sender hatte es offenbar nicht geklappt) sei eingetroffen: "Helgoländer, kommt und helft uns, eure Heimat wiederzugewinnen."

Zugegeben, eben dies waren unsere Zweifel gewesen: daß sie nachfolgen würden, die anderen "Invasoren", bei Kälte, Sturm und der Erwartung, daß die Air Force die Insel nach wie vor bombardieren würde, obwohl sie es vielleichtbequemer hätte, wenn sie statt Helgoland eine der unbewohnten Orkney – Inseln zum Übungsziel der Bombenflüge wählte. "ZweiMöglichkeiten", sagte der junge Hatzfeld, "– entweder wir geraten unter die Bomben, dann wären wir nicht bloß – mundtot gemacht, oder das, was wir tun, wirkt wie ein Anruf an alle vernünftigen Leute, egal, was mit uns passiert." – Mittlerweile sind viele ihnen nach Helgoland gefolgt, vor allem Helgoländer, aber auch der Historiker Prinz zu Löwenstein, der Leiter der "Deutschen Aktion", und mit ihm ein junger Amerikaner, der – was alle verlegen macht, die von "Nationalismus junger Deutscher" sprechen – diesen jungen Deutschen recht gibt.

Wie immer die "Friedliche Invasion" Helgolands ausgehen wird – wer Europa aufbauen will, sollte sich mit jungen Menschen wie diesen "Invasoren" beschäftigen. Sie könnten seine besten Bundesgenossen sein! Jan Molitor