Ihre größte europäische Botschaft werden die Vereinigten Staaten gegen Ende dieses Jahres in der vorläufigen Bundeshauptstadt Bonn errichten. Sie soll 500 amerikanische Angestellte umfassen (gegenüber nur 400 in London und Paris), und die Aufgaben der bisherigen Hohen Kommission übernehmen. Die letzte Phase der Wiederherstellung von Deutschlands Souveränität wäre damit erreicht: Die deutsch-alliierten Angelegenheiten würden auf dem diplomatischen und nicht mehr auf dem Behördenweg erledigt.

Zu einer Zeit, da das Verhältnis zwischen Besetzten und Besatzung erneut nicht gerade förderlichen Einflüssen von verschiedenen Seiten ausgesetzt ist, sei den Amerikanern Dank für diese Botschafts-Botschaft. Sie ist mehr als eine Geste. Sie zeigt, daß die mächtigste Nation des Westens gewillt ist, Deutschland in zunehmend größerem und schnellerem Maße zur Wiedererlangung seiner Selbständigkeit zu verhelfen, auch wenn der Zickzackkurs der Tagespolitik nicht immer auf ein solches Endziel hinzuführen scheint. Dennoch haben wir eine Befürchtung; Als Mitte 1949 die amerikanische Militärregierung in eine Hohe Kommission umgewandelt wurde, da trat John J. McCloy die Nachfolge General Clays an. Clay hatte sich gerade den Lorbeer des Siegers im Berliner Blockadekrieg aufs Haupt gedrückt, und doch müßte er gehen, weil man in Washington glaubte, daß die Verwaltungsänderung ihren politisch-propagandistischen Effekt auf die Deutschen verfehlen würde, wenn nicht auch die oberste personelle Spitze der Behörde wechselte. Ende dieses Jahres wird sich das gleiche nun noch einmal wiederholen; Amerikas, Hohe Kommission wird einer Botschaft weichen. Es ist zu fürchten, daß Washington auch diesmal, der Form zuliebe, einen Personalwechsel an der Spitze vornehmen möchte. Es ist zu hoffen, daß dies nicht geschehen wird. C. J.