Vielleicht nicht das allerschönste, aber das bekannteste Bild des berühmtesten Malers aus dem achtzehnten Jahrhundert, "L’embarquement sur l’île de Cythère" von Antoine Watteau, droht aus Deutschland abzuwandern. Länger als zweihundert Jahre ist es bei uns, wie die Sixtinische Madonna es war, und nun, so hört man, soll es der deutschen Öffentlichkeit genommen werden. Man muß mit allen Mitteln versuchen, dies zu verhindern.

Der begnadete, gleich Raffael nur siebenunddreißig Jahre alt gewordene Maler einer göttlichen Heiterkeit und Glückhaftigkeit hat das Bild geschaffen. Watteau war lange gedrängt worden, endlich zur Aufnahme in die Pariser Akademie sein Rezeptionsstück zu liefern. Wie in einer rauschhaften Eingebung gestaltete er dann im Frühjahr 1717 den Traum eines Aufbruchs junger galanter Menschen auf die Insel der Seligen, nach Kythera, auf deren verklärten Gestaden (was der französischen Gelehrsamkeit des Jahrhunderts ganz geläufig war) Aphrodite ihren ältesten Kultort unter den Hellenen besaß. Das Akademiebild gelangte in den Louvre, die unmittelbar danach gefertigte zweite Fassung, reicher in der Erfindung, zärtlicher in der Gestaltung, duftiger in Farbe und Ton, kam in den Besitz Friedrichs des Großen, der in Rheinsberg als junger König eine leidenschaftliche Vorliebe für die Kunst der Régencezeit hatte und sammelte, was er erhalten konnte.

Aus dem Potsdamer Stadtschloß wurde das Meisterwerk 1888 ins Berliner Schloß verbracht, ins Zimmer der Kaiserin, und blieb dort an Ort und Stelle, bewundert von Tausenden und aber Tausenden von Besuchern aus aller Welt, auch nach dem Zusammenbruch 1918. Denn in der Vermögensauseinandersetzung des vormals regierenden Preußischen Königshauses mit dem Preußischen Staate war das Bild zuvorkommenderweise zwar den Hohenzollern verblieben, doch unter der ausdrücklich festgelegten Voraussetzung, daß es auch weiterhin an seinem alten Standort belassen werden sollte. Durchaus verständnisvoll hatte die Vertretung des Königshauses der Meinung Ausdruck verliehen, daß "Werte von überwiegend künstlerischer und historischer Bedeutung unversehrt der Öffentlichkeit erhalten werden sollten und daß die Wünsche der Kunstverwaltung restlos befriedigt werden".

Vor den Bomben wurde das Bild nach Wiesbaden gerettet, und es ist der Ex-Kronprinz, der es jetzt zu Geld zu machen wünscht und bereits einen ausländischen Käufer in Westeuropa gefunden haben soll. Wir Deutsche sind im letzten Jahrzehnt wahrhaftig nicht reicher geworden an Kunstwerten übernationaler Geltung. So wäre die erste und einfachste Schutzmaßnahme in diesem Falle, das Gemälde aus der hessischen Treuhandschaft in eines der ehemaligen preußischen Schlösser zu verbringen, am besten in das nach Charlottenburg, wo es dem Sinne und Geiste nach hingehört. Dann wäre eine Bedingung des Vertrages erfüllt, und man wird, unter Wahrung des Vorkaufsrechts seitens der öffentlichen Kunstverwaltung, weiter sehen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht, unterrichtet zu sein; sie hat aber auch, gegebenenfalls, die Verpflichtung, helfend einzugreifen. Corv