In dem Jahresrückblick, den die Deutsche Bundesbahn (allerdings ohne die Südwestdeutschen Eisenbahnen) für das Geschäftsjahr 1950 jetzt veröffentlicht, treten erneut die großen Sorgen hervor, die man bei der Hauptverwaltung der DB wegen der weiteren Entwicklung dieses wichtigen Unternehmens hat. Es wird in dem .Rückblick betont, daß die Gesamteinnahmen des gegangenen Jahres mit rund 3,290 Mrd. DM um annähernd 80 Mill. DM hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind. In der reinen Betriebsirechnung dürfte mit einem Fehlbetrag von etwa 10 Mill. DM zu rechnen sein. Die Defizitposten betreffen zunächst 60 Mill. DM für den Kreditidienst (sie wurden aus Ersparnissen an der normalen Unterhaltung und Erneuerung der Bahnanlagen und Fahrzeuge – also aus der Substanz – finanziert), ferner die Abgaben an den Bund in Höhe von 174,5 Mill. DM, die infolge der angespannten Liquiditätslage nicht gezahlt werden konnten. Auch 29,6 Mill. DM Zinsanteil konnten nicht aufgebracht werden, obwohl sie für die Ausgleichsforderungen der Bank deutscher Länder hätten gezahlt werden müssen. Hinzu kommt der Verlustvortrag von 127,2 Mill. DM aus dem Jahre 1949 und der bereits erwähnte Fehlbetrag von 10 Mill. DM aus der neuen Betriebsrechnung. Damit würde der Gesamtfehlbetrag Voraussichtlich 400 Mill. DM erreichen.

Oberstes Ziel der DB war es, trotz der schweren Belastung, die Bahn zahlungsfähig zu halten. Das ist eine recht schwierige Aufgabe, denn schließlich betrug die Gesamtverschuldung im Oktober 1950 bereits 1,366 Mrd. DM, also 227 Mill. DM mehr als zu Beginn des Jahres 1950. Nicht zu unterschätzen sind ferner, die Besorgnisse, die die Bundesbahn hinsichtlich ihrer Fahrzeug stände hat. Es mangelt nicht so sehr an Lokomotiven als vielmehr an Reisezug- und Güterwagen. Seit Kriegsende hat der Güterwagenpark infolge der notwendig gewordenen Ausmusterung einen Abgang von 160 000 Waggons gehabt. Ihm steht nur ein Zugang von 35 000 Waggons gegenüber.

Aber der Jahresrückblick enthält auch einige sehr erfreuliche Abschnitte. Er vermerkt nicht nur die wesentliche Verbesserung der internationalen und innerdeutschen Reise- und Güterzugverbindungen, sondern kann mit berechtigtem Stolz darauf verweisen, daß die Gesamtzahl der Bahnbetriebsunfälle in den ersten zehn Monaten des Vorjahres um 13 v. H. niedriger lag als im gleichen Zeitraum des Jahres 1949. Dabei haben die Entgleisungen um 21 v. H., die Zusammenstöße um 15 v. H. und die persönlichen Unfälle sowie übrigen Betriebsunfälle um 12 v. H. abgenommen. Leider sind die Zusammenstöße mit Straßenfahrzeugen auf Wegübergängen um 2 v.H. angewachsen. Jedoch kommen insgesamt 1950 auf 1 Mill. Zugkilometer nur 5,84 Unfälle; 7,63 Unfälle waren es noch im Jahre 1949. Überzeugender kann wohl kaum nachgewiesen werden, daß die Deutsche Bundesbahn unser Vertrauen verdient; sie gewährt ihren Fahrgästen – also ihren Kunden – in der Tat das höchste Maß an persönlicher Sicherheit, das heute im Verkehrswesen möglich ist. ww.