Die Bemerkung des Bundespräsidenten Dr. Heuß, daß er die Gründung eines Vereins oder einer Partei der Einheimischen gegen die Flüchtlinge als Schande" betrachte, hat zwei Antworten zur Folge gehabt. Dr. Schenck stellte die rhetorische Frage,ob etwa seine "Schleswig-Holsteinische Gemeinschaft! gemeint sei, und kündigte eine ausführliche Belehrung des Bundespräsidenten und der Öffentlichkeit über die Ziele dieser Gemeinschaft an. Die schnelle Reaktion ist erfreulich, denn was die Gemeinschaft zum neuen Jahr zu verkünden hatte, bedarf zweifellos einer Ergänzung. Sie sei das gute Gewissen des Landes, hatte sie in einer Botschaft mitgeteilt, und sie fordere alle ihre Mitglieder auf, im Hinblick auf die Möglichkeit von Kreis- und Gemeindewahlen jeglichen Wahlvorbereitungen fernzubleiben. So ist also der wesentliche Punkt des Aufrufs, die Aufforderung zur Sabotage demokratischer Wahlen, negativ. Dank der aufsehenerregenden Äußerung des Bundespräsidenten bekommt Dr. Schenck nunmehr Gelegenheit, unter gespannter Aufmerksamkeit der ganzen Bundesrepublik, die positiven Seiten des Gemeinschaftsprogramms zu entwickeln ...

Auch der ehemalige Ministerpräsident Lüdemann hat – im "Flensburger Tageblatt" – dem Bundespräsidenten geantwortet. Wenn von einer Schande geredet werden solle, so bestehe sie vielmehr in der Existenz einer unsichtbaren, aber sehr tätigen Partei der Einheimischen in den süd- und westdeutschen Ländern, die seit Jahren die Aufnahme von Vertriebenen ablehne und, allen Beteuerungen menschlicher Hilfsbereitschaft, christlicher Nächstenliebe und nationaler Solidarität zum Trotz, sich um das gefährliche soziale Gefälle gerade in den Ländern längs der sowjetischen Zonengrenze nicht kümmere. Denn gäbe es die "Schleswig-Holsteinische Gemeinschaft" oder ihren Gegner, den "Block der Heimatvertriebenen", wenn die anderen Bundesländer sich von der Not der Flüchtlinge hätten rühren lassen? P. Chr. B.