Als vor einem Jahr der voraussichtliche Ausstoß der westdeutschen Auto-Industrie für 1950 mit rund 200 000 Pkw. geschätzt wurde, hat man eine solche Prognose für sehr optimistisch gehalten. Diese Schätzung wurde indessen noch übertroffen, denn der tatsächliche Ausstoß liegt bei 215 000 Fahrzeugen. 1949 waren es kaum 104 000 Pkw. Die Zunahme beträgt hier also 105 v. H.

Inzwischen hat sich innerhalb der deutschen Automobil-Industrie eine weitere Strukturierendung ergeben und das Schwergewicht der Gesamtproduktion verlagert sich immer mehr zum Pkw. Die westdeutsche Automobil-Industrie ist, obwohl wieder Materialsorgen auftreten, weiterhin optimistisch eingestellt, und man rechnet jetzt für das Jahr 1951 unter der Voraussetzung einer gleichen Weiterentwicklung mit einer Gesamtfertigung von 500 000 Einheiten. Der Pkw.-Anteil an dieser Zahl wird mit 70 v. H. geschätzt, so daß im Jahre 1951 ungefähr 350 000 Personenkraftwagen von den Montagebändern zu erwarten sind. Planzahlen wurden bisher nur von Opel (95 000), Gutbrod (6000), Porsche (800) und Wendax (3600) genannt, während man beim Volkswagen mit einer Monatsfertigung von 10 000 Wagen rechnen kann. Aber auch Ford, Daimler-Benz und Borgward sind in der Lage, ihre Produktion noch etwas zu steigern und höhere Zahlen als im vergangenen Jahr zu erreichen. Zu klären bleibt allerdings, ob der Absatz der produzierten Wagen gesichert ist. Der überwiegende Teil der Mehrproduktion wird im Export abgesetzt werden müssen; es ist daher nicht verwunderlich, daß die Werke (an erster Stelle das Volkswagenwerk) neue Absatzmärkte erschlossen haben. Der Exportanteil beträgt bei vielen Werken schon jetzt etwa ein Drittel der Produktion; so konnten z. B. von 90 558 Volkswagen im Jahre 1950 nicht weniger als 29 048 exportiert werden. Bei den übrigen Werken ergeben sich ähnliche Zahlen. W. F.

Als erste der deutschen Automobilfabriken gab die Fordwerke AG Köln ihr Produktionsprogramm 1951 bekannt. Dieses hat für Pkw. und auch für Lkw. eine begrüßenswerte Ergänzung erfahren, denn zu den bisherigen Taunus-Modellen "Standard" und "Spezial", die technisch und im Komfort verbessert wurden, ist der Taunus De Luxe getreten, während bei den Lkw. die seit längerem angekündigte Einführung des in Amerika entwickelten Ford Hercules Diesel Wirklichkeit wurden Der 3,5 t Hercules Diesel ergänzt das Ford Lkw.-Vergasertypen-Programm (3 t V 8 Rhein, 4 Zylinder Ruhr, 2–2,5 t Spezial).

Der Taunus-Typ der Fordwerke, der seit 1939 als einziger Personenwagen auf dem Programm steht, hat infolge seiner Mittelstellung zwischen dem "kleinen" Gebrauchswagen und dem "großen" Reisewagen in ganz besonderem Maße die Anerkennung des In- und Auslandes gefunden, die sich für das vergangene Jahr mit einer Produktion von 24 440 Taunusfahrzeugen, von denen 9000 ins Ausland gingen, ausweist. Das, Taunus-De-Luxe-Modell unterstreicht nun diese gute Mittelstellung in gelungener Weise nach der repäsentativen Seite hin. Jedenfalls weist es bei einem Fahrzeug dieser Größen- und Preisklasse ein hohes Maß an Komfort und Fahrleistung auf. Daneben ist es gelungen, durch eine flachere Federsprengung (die übrigens bei sämtlichen Taunus-Modellen eingeführt wurde) dem Fahrzeug nicht nur eine tiefere Lage ohne Beschränkung der Bodenfreiheit oder des Innenraums zu geben, sondern ihm auch in Verbindung mit tiefer heruntergezogenen Kotflügeln, Einbeziehung der Blinklichter in die Chrom Verkleidung am Kühler und gemeinsamer Kapselung für Rückstrahler und Schlußleuchte eine noch harmonischere Form zu verleihen. An technischen Verbesserungen interessiert in erster Linie die Einführung der Autothermikkolben.

Der neue 3,5 t Ford Hercules Diesel stellt nach außen hin ein Abschwenken von der traditionellen Linie des Vergasermotors dar, die bisher bei Ford-Köln auch im Lkw.-Bau gehalten wurde. Nachdem es aber gelungen war, den in USA entwickelten und bewährten Hereules-Motor auf deutsche Verhältnisse zuzuschneiden – die Einblock-Einspritzpumpe und die elektrische Anlage stammen von Bosch – und die Vorzüge des Vergasermotors in sehr hohem Maße zu erreichen, war auch bei Ford-Köln der Weg für den Dieselantrieb freigeworden. Nachstehend kurz die wichtigsten Daten: Leistung 90 PS bei 3000 U/min., max. Drehmoment 24 mkg bei 2000 U/min., 6 Zylinder mit einem Hubraum von insgesamt 4080 cm3‚ Verdichtung 15,5 :1, "Hercules"-Wirbelkammersystem, Gewicht des kompletten Motors einschließlich aller Anbauteile 441 kg. Vor allem fällt hier das für Dieselmotoren ungewöhnlich geringe Verdichtungsverhältnis von 15,5 : 1 auf, das einen weicheren Gang und als natürliche Folge eine wesentlich geringere Abnutzung der Lager und des Einspritzsystems gewährleistet. –es.

Ford produzierte in Köln im vergangenen Jahr29 816 Kfz. Das sind 71,8 v. H. mehr als im Vorjahr. Mit 24 443 Einheiten (1949: 11 109) steht der "Taunus" an der Spitze. Ferner wurden 3634 Kastenwagen und 1739 Lkw. und Omnibusse hergestellt.

Die Daimler-Benz-AG., Stuttgart, konnte im Vorjahr gegenüber 1949 ihre Produktion um 82 v. H. steigern: es verließen 42 305 Kraftfahrzeuge die Montagebänder. Bei 33 906 Pkw. entfielen 16 421 auf den "170 S", 11 876 auf den "170 V" und 5609 auf den "170 D". Die Lkw.-Produktion erreichte 6914 Stück; außerdem wurden 1485 Omnibusse hergestellt.