Mit einem Aktienkapital von 1250 Mill. bfr. kontrolliert der Arbed-Konzern (abgekürzt aus Acières Réunies de Burbach-Eich-Dudelange) den größten Teil der Luxemburger Eisen- und Stahlindustrie. Darüber hinaus befinden sich im Besitz der Arbed lothringische, belgische und westdeutsche Hüttenwerke und Gruben. In Übersee hat sie Beteiligungen in Brasilien und Kanada. Das Absatzgebiet liegt normalerweise zu etwa 60 v. H. im Ausland.

Die "Arbed" ist kein Konzern, der sich durch besondere Publizitätsfreudigkeit auszeichnet. Trotzdem ist bekannt, daß sich zur Zeit in ihrem Besitz sieben Steinkohlen-Bergwerke, zwei Brikettfabriken, 930 Koksöfen, 29 Hochöfen, 21 Schmelzöfen, 7 Siemens-Martin-Ofen, 3 Elektroofen. 37 Walzstrecken, 1 Kaltwalzwerk, 2 Rohrgießereien, 5 Gießereien für Stahl- und Bronzeguß, sowie eine Reihe von verarbeitenden Betrieben befinden. Diese Werke verteilen sich auf sieben; Länder. Die Jahreskapazität in Roheisen dürfte bei etwa 3,4 Mill. t liegen. Die Produktion jedoch hat bisher die Kapazität noch nicht voll ausnützen können. Die größte Walzstrecke in Luxemburg mit 140 000 t jährlich ist allerdings voll ausgenutzt. Für Dudelange wurden in USA neue Maschinen in Auftrag gegeben, die den gesamten dort anfallenden Stahl zu Blech verarbeiten. sollen. Die ersten Lieferungen von Warmblech dürften bereits jetzt erfolgen. Die breitere Verwendung von Elektroofen wird darauf abzielen, die gesamte Skala der Walzwerkserzeugnisse herstellen zu können; außerdem ist man mit staunenswerter Schnelligkeit dabei, sich der Erzeugung von Spezialstählen anzunehmen, die (vor allem durch ihr geringes Gewicht) gegenüber Leichtmetallen und anderen Materialien konkurrenzfähig sind. Bei diesen Planungen kam die deutsche Kriegsbeute an Patenten sehr zustatten.

Nicht erst veranlaßt durch die Korea-Konjunktur hat die "Arbed" bereits 1948 enorme Summen für Modernisierungen und Investitionen ausgegeben. Der mit einer Milliarde belgische Franken angegebene Kriegsschaden dürfte nun im wesentlichen beseitigt sein. Die Eigenfinanzierung der umfangreichen Investitionen betrug 1948 650 Mill., 1949 836 Mill. bfr. Im letzten Jahr soll über eine Milliarde investiert worden sein. Fremdes Kapital wurde bisher überhaupt nicht herangezogen und soll auch in Zukunft weitgehend ausgeschaltet bleiben. Daß 1946 bereits eine Dividende von 180 Franken und 1948 von 450 Franken je 1000-Frank-Aktie gezahlt werden konnte, deutet auf den gesunden und krisenfesten Aufbau der "Arbed" hin. Erreicht wurde dieser durch den wohldurchdachten (horizontalen wie vertikalen) Aufbau des Konzerns, durch die überall verwirklichte Weiterverarbeitung des Stahls "in einer Wärme" und die schon früher erfolgte rücksichtslose Abstoßung nichtsanierungsfähiger Betriebe.

Der Rohertrag ist (ebenso wie die Abschreibungen) zwischen 1938 und 1949 auf das Doppelte gestiegen, nämlich von 202 (142) Mill. auf 445 (302) Mill. Entsprechend stieg der Reingewinn von 46 auf 106 Mill. bfr.

Es dürfte auch bei den (in der "Entflechtung" befindlichen) deutschen Stahlkonzernen, mit Ausnahme der Vereinigten Stahlwerke, kein Unternehmen geben, das in so intensiver Weise die Grundsätze der Verbundwirtschaft und der Weiterverarbeitung durchgeführt hat. Im Betriebsaufbau unterscheidet die Arbed sich grundlegend von den deutschen Konzernen nur durch die bisher geringen Ansätze zur Kohle-Chemie. Der Konzernaufbau geht eindeutig in Richtung der Weiterverarbeitung des in eigenen Hütten und Hochöfen gewonnenen Stahls. Bi.

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In Westdeutschland erreichte die Rohstahlerzeugung im Vorjahre eine Höhe von 12,121 Mill. c. Gegenüber 1949 belief sich die Produktionssteigerung auf fast 3 Mill. t. Die Dezembererzeugung von Rohstahl ging um rund 150 000 t zurück, die Roheisenerzeugung, war mit 100 000 t rückläufig. 1950 wurden in Westdeutschland 9,472 Mill. t Roheisen erzeugt; 1949 waren es jedoch nur 7,140 Mill. e.