Der Zufall wollte es, daß der Bundeskanzler der Deutschen Bundesrepublik, Dr. Konrad Adenauer, und der Staatspräsident der von den Sowjets eingesetzten Ostzonenregierung, Wilhelm Pieck, in derselben Woche 75 Jahre alt wurden. Von dem Geburtstag des Bundeskanzlers hat die sowjetisch lizenzierte Presse kaum Notiz genommen – die westdeutsche Presse bedachte dagegen Wilhelm Pieck fast ebenso ausführlich wie Dr. Adenauer.

Im Ausland war das Echo auf beide Geburtstage nicht groß: offenbar interessiert sich die Öffentlichkeit in Paris, London oder New York im Augenblick mehr für deutsche Soldaten als für den Geburtstag eines deutschen Staatsmannes. Von den größeren englischen Zeitungen vermerkten lediglich die Times Adenauers Geburtstag. Sie schrieb, er sei mit Bismarck der einzige deutsche Kanzler, der im Alter von 75 Jahren sich noch im Amt befunden hätte, Das freilich ist ein Irrtum: der Nachfolger des Eisernen Kanzlers, der Fürst Hohenlohe, hat noch mit über 81 Jahren die Geschicke Deutschlands geleitet.

Nun – Dr. Konrad Adenauer hat Härteres erfahren als das schwache Auslandsecho auf einen Tag, der auch nach außen hin ein langes Leben, angefüllt mit Arbeit und Sorge für seine Heimatstadt Köln, das Rheinland und schließlich ganz Deutschland dokumentierte. Vielleicht sind ihm die 75 Teerosen des Oppositionsführers Schumacher ein Trost gewesen, ein Hoffnungszeichen dafür, daß die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Opposition im nächsten Jahr gleichsam durch die diskrete Vornehmheit dieser Blumen symbolisiert werden könnte. P. H.