Nach langem Zögern hat man sich in Hamburg endlich entschlossen, die Geschicke des Philharmonischen Staatsorchesters wieder in eine verantwortlich Hand zu geben. Und diesmal trifft das – nicht immer stichhaltige – Sprichwort zu: "Was lange währt, wird gut." Der Erwählte ist Joseph Keilberth, der seit Jochums Weggang mit Fritz Rieger in der Leitung der Philharmonischen Konzerte alternierte. Am 1. September dieses Jahres wird Keilberth sein Amt als Hamburgischer Generalmusikdirektor, Leiter des Philharmonischen Staatsorchesters und der Philharmonischen Konzerte antreten. Daneben behält er seinen Berliner Wirkungskreis und die Leitung der Bamberger Symphoniker bei.

Daß Keilberth sich dem Geiste Karl Mucks verbunden und verpflichtet fühlt, hat sein? Richtigkeit. Gehört er doch auch jenem Dirigententyp an, der letzthin immer seltener geworden ist und dessen Respekt vor dem Werke, das er zu vermitteln hat, größer ist als der Drang, die Aufmerksamkeit von der Sache des Komponisten auf die Person des Interpreten abzulenken. Es ist der Typ ohne Selbstinszenierung und ohne Pose. Und in diesem "Verzicht" – wenn man es so nennen darf – bekundet sich eine darum nur um so solider fundierte Persönlichkeit, ein um so echteres Selbstgefühl, das nicht in dauernder Angst um seine Geltung schwebt.

Wie Keilberth, eben mit dem Hinweis auf das Vorbild Muck, in der Berufung nach Hamburg die Krönung seines Weges (von Karlsruhe über Berlin, Prag und Dresden) sieht, so haben auch die Hamburger Musiker und Musikfreunde Grund, sich dazu zu beglückwünschen. Sie haben einen Mann von wahrer Vielseitigkeit, eminenter Begabung, künstlerischer Energie und besonderer menschlicher Qualität gewonnen. A-th