Zum 60. Geburtstag

Aus der Rückschau ist dieses Leben in seinen Verlauf von einer zwingenden Folgerichtigkeit; aber niemand wäre imstande gewesen, den Sohn des Gerbereiarbeiters aus Mülheim auch nur eine der mannigfaltigen Phasen seines Leben; vorauszusagen. Nach einer Kindheit inmitten der wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten einer achtköpfigen Familie beginnt Dinkelbach 1905 seine kaufmännische Lehre in einem Baugeschäft, kommt bald darauf zur Maschinenfabrik Thyssen und wird hier 1924 Prokurist, In dieser Zeit gewinnt er Einsicht in die Ordnung, die ein Unternehmen zusammenhält und zur Leistung befähigt. Diese Einsicht verdankt er seinem Drang nach Erkenntnis der innerer. Zusammenhänge und seinem sicheren Blick hierfür. So forscht schon der junge Lehrling bei der einfachsten Schreibarbeiten nach ihrem tieferer Sinn; er läuft durch den Betrieb und läßt sich von den Meistern die Bedeutung der Zahlen in den Statistiken erklären, die er anzufertigen hat, So erschließen sich ihm die Geheimnisse menschlicher Organisation. Die in ihm schlummernden schöpferischen Gestaltungskräfte sind geweckt und suchen nach Betätigung.

Sie wird Dinkelbach geboten, als er 1925 zu den Thyssen-Werken in Hamborn geht und hier in die Arbeiten zur Bildung der Vereinigten Stahlwerke eingeschaltet wird. Die Bauherren könnten sich keinen besseren Mitarbeiter wünschen. Sie bestätigen dies, indem sie ihn 1933 zum stellvertretenden und 1935 zum ordentlichen Vorstandsmitglied der Gesellschaft berufen.

In diesen Jahren des Aufbaus und Wirkens erwirbt Dinkelbach jene Meisterschaft in der schöpferischen Gestaltung, wie sie nur ein geniales Talent und reife Erfahrungen hervorbringen. Diese hohe Kunst beruht nicht nur auf intimen Kenntnissen des rein Organisatorischen. Sie stützt sich auch auf ein gediegenes Wissen der kaufmännischen, finanziellen und rechtlichen Bedingungen.

Nach dem 8. Mai 1945 wird in Deutschland die Aufgabe einer Neuordnung der Eisen- und Stahlindustrie gestellt und Dinkelbach hierzu herangezogen. Angesichts der ganz ungewöhnlichen Lage sucht er nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Nirgends aber findet sich bei ihm die Neigung zu abrupten Einschnitten. Er strebt nach organischen Überleitungen, die den Strom des Lebens nicht stören. So greifen die Gesellschaften, die 1947 zum Betrieb der eisenschaffenden Werke der Konzerne – losgelöst von diesen – gebildet werden, keiner Entscheidung über die endgültige Gestaltung der Verhältnisse vor.

Im September 1949 wird die Planung der endgültigen Neuordnung der Eisen- und Stahlindustrie der Stahltreuhändervereinigung übertragen. In ihrem Rahmen wirkt Dinkelbach seither mit. Im letzten Jahre ist er in den Sachverständigenausschuß berufen worden, der die Bundesregierung bei den Verhandlungen im Rahmen des Schuman-Plans berät.

So spannt sich dieses Leben durch ein halbes Jahrhundert deutscher Industriegeschichte, um mit Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte über die nationalen Grenzen hinaus in den europäischen Raum zu stoßen.

Dinkelbach gehört nicht zu jenen, deren Züge von Erfolg zu Erfolg sich verhärten. Seine Jugenderlebnisse haben seinen ohnehin empfänglichen Sinn mit Verständnis und Mitgefühl für das Menschliche erfüllt. In der Reife des Alters haben sich diese Empfindungen vertieft. Aus dieser Einstellung zum Menschlichen erklären sich seine Bemühungen um eine echte Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer. Ghd