Irmgard Keun: Kind aller Länder. (Droste-Verlag, Düsseldorf. 220 S., Leinen DM 7,20) – Aus der Perspektive eines zehnjährigen Mädchens nehmen sich die bitteren Erfahrungen, die ein emigrierter Intellektueller in den Jahren nach 1933 zu bestehen hat, heiter und erträglich aus. Irmgard Keun trifft das Timbre der kindlichen Vorstellungswelt mit schöner Sicherheit.

Franz Molnár: Lebwohl, mein Herz. (Der neue Geist Verlag, Berlin. 232 S., Leinen DM 6,80) – Der ungarische Komödiendichter erzählt von Überfahrt und Tod eines älteren Budapester Journalisten, der sich auf der Flucht vor der Gestapo in eine blutjunge Landsmännin verliebt und dieser Liebe vergeblich auszuweichen versucht. Molnárs Prosa hat die körnige Pointierung seiner Dialoge und die Leichtigkeit, die das Tiefere ahnen läßt

Ernst von Salomon: Boche in Frankreich. (Rowohlt, Hamburg, rororo-Taschenbuchausgabe. 162 S., DM 1,50) – Hinreißend fabulierte, aus Selbstpersiflage und amourösem Abenteuer gemischte Plauderei von einer Frankreichfahrt 1931, auf der zwar der mit Rowohlt vereinbarte Roman nicht geschrieben, dafür aber ein anderer erlebt wird.

Colette: Julie de Carneilhan. (Drei-Säulen-Verlag, Bad Wörrishofen. 252 S., Leinen DM 8,50) – Die große französische Erzählerin entwirft das Porträt einer Frau, die sich in den Wunsch verliert, die große Liebe ihres Lebens ein zweites Mal zu erleben, und ihre Hoffnungen als Illusion erkennen muß. Ein Meisterwerk des psychologischen Details, reich an Zwischentönen.

James M. Cain: Die Rechnung ohne den Wirt. (Rowohlt, Hamburg. 192 S., Leinen DM 4,80) – Ein amerikanischer Kriminalroman besonderer Art: Das Verbrechen wird aus den Charakteren eines liebenden Paares zwingend motiviert. Daß es unbestraft bleibt, ist der korrupten Justiz zuzuschreiben. Die Söhne wird durch eine List des Schicksals herbeigeführt und trifft den Mörder, als er schuldlos seine Komplicin getötet hat.

Alexander Spoerl: Memoiren eines mittelmäßigen Schülers. – (R. Piper & Co. Verlag, München. 275 S.) Der Sohn des berühmten Humoristen setzt die Linie seines Vaters mit Anmut und Erfolg fort. Eine wohl nicht nur fingierte Autobiographie, die ihm einfällt, während er in der Klinik auf die Geburt seines ersten Kindes wartet. Drastische Schulerlebnisse, aber auch Arbeitsdienst, Soldatenzeit als Telefonist in Dänemark und Nachkriegspannen. Viele glänzend placierte Pointen.