Von G. Pinet

William Faulkner hat sich das Yoknapatawpha County als Landschaft seines Mythos geschaffen. Er hat Karten davon gezeichnet, die er mit der Überschrift: "Yoknapatawpha County, 15 611 Einwohner, 2400 Quadratmeilen, William Faulkner, alleiniger Besitzer" versieht. Der unaussprechliche Name dient als Symbol der indianischen Vergangenheit des Landes, aus dem die weißen Herren die Ureinwohner vertrieben haben, um sich dort mit ihren schwarzen Sklaven niederzulassen. So steht am Anfang bereits die Schuld, die sich dann schrecklich an den Familien der aristokratischen Pflanzer rächen wird.

Faulkner beschreibt die Landschaft seiner Romane so: "Dieses Land, das in zwei Generationen von Männern gerodet und entwässert wurde, damit die Weißen Plantagen besitzen können und jede Nacht nach Memphis hereinfahren können und auch schwarze Männer besitzen Plantagen und fahren in Wagen für Farbige nach Chikago, wo sie in Millionärswohnungen wohnen, aber wo weiße Männer Land pachten und wie Nigger leben und wo Nigger Fronarbeit leisten und wie Tiere leben, wo Baumwolle gepflanzt wird und mannshoch in den Ritzen der Bürgersteige wächst, wo Wucher und Verschuldung, Bankerott und maßloser Reichtum, wo Chinesen und Afrikaner, Arier und Juden durcheinander leben und weben."

Haßliebe haben einige Kritiker Faulkners Gefühl für den Süden genannt. Man kann es wohl ganz einfach Liebe nennen, Liebe nach Nietzsches Wort, daß man in seinem Freunde den besten Feind haben solle.

Das Mississippi-Delta ist ein Land tropischer Fruchtbarkeit, aber auch ein Gebiet schneller Verwesung. Die weißen Herren sind dem heißen Klima schlechter gewachsen als die Neger. Oft bleibt in Faulkners Geschichten im verfallenen, verödeten Herrenhause, in dem sich die Familie der Pflanzer durch wilde, unbeherrschte Leidenschaften selber ausgerottet hat, nur eine schwarze Köchin zurück, um die Geschehnisse zu beklagen Hinzu kommt die erdrückende Überlegenheit der Maschinenzivilisation des Yankeenordens, die den Süden in Hoffnungslosigkeit und Degeneration geworfen hat. Hier war der letzte Versuch einer feudalen Gesellschaftsordnung gemacht worden. Ritterliche Pflanzer versuchten zu leben, als sei die Zeit stehengeblieben. Wie Don Quichotte verbrachten sie ihre Tage in einem gezierten Frauenkult, mit verzwickten Ehrenhändeln. Die Maschine wurde verabscheut, die Existenz auf die Handarbeit der Sklaven gebaut. Aber Sklaverei verdirbt den Herren nicht weniger als den Knecht, die Niederlage im Sezessionskrieg war unausweichlich, von ihr hat sich der Süden nie mehr erholt.

Das ist der Hintergrund, vor dem sich Faulkners Tragödien abspielen. Nur selten wird dem Leser Trost und Entspannung geboten. Er taucht in die Atmosphäre der alten Heldensage ein oder wird an Shakespeares düsterste Dramen erinnert. Faulkner hat eines seiner bedeutendsten Bücher: "The Sound and the Fury" nach einem Zitat aus Macbeth genannt: "Das Leben ist eine Geschichte voller Lärm und Wut, von einem Narren erzählt, ohne Sinn noch Verstand."

Faulkner verachtet sein Publikum nicht, aber es hat keine Bedeutung für ihn. Nur selten hat er sich herbeigelassen, Widersprüche im Ablauf seiner Geschichten für den Leser klarzustellen. Nur ungern gibt er Daten für seine Biographie. Sogar der Schreibweise seines Namen gegenüber, ursprünglich Falkner, zeigt er sich unempfindlich; beides sei ihm recht. Auch wolle er den Leuten keineswegs empfehlen, seine Bücher zu lesen. Er habe zu schreiben begonnen, ohne sich zu überlegen, daß eine Menge Leute daran Anteil nehmen könnten. Von Beruf sei er Farmer, zum Reisen habe er keine Zeit, das Geld des Nobelpreises würde er irgendwie für seinen Heimatkreis verwenden, höchstwahrscheinlich für Verbesserung der Jagd oder der Bodenbedingungen. Diese kargen Angaben mußten ihm die Berichterstatter in Stockholm förmlich entreißen.