Zum Unterschied von den flämischen Dichtern sind die heute noch französisch schreibenden belgischen Autoren in Deutschland kaum bekannt. Der Biederstein Verlag, München und Berlin, kann also für den ersten Roman des jungen belgischen Dichters Paul Willems mit besonderem Interesse rechnen. "Die Schwanenchronik" (aus dem Französischen übertragen von Gertrud Grote, 331 S., Leinen DM 8,80) ist ein zauberisches Buch eigener Prägung: die phantastische Welt der Gärten, bevölkert von Blumen und Vögeln, Kobolden und Feen. Die "Gärtner" aber stehen unablässig im Kampf mit den "Händlern", jenen nüchternen, technisierten Geschäftsleuten, die riesige Wohnblocks errichten, nur auf ihren Vorteil bedacht sind und die "Sprache der Gärten" nicht mehr sprechen, in der "jedes Wort vier verschiedene Bedeutungen hat, weil es vier Jahreszeiten und vier Windrichtungen gibt. Die erste Bedeutung eines Wortes ist die, die jeder ohne weiteres versteht, die drei anderen werden die drei Paradiesgärten genannt; sie tun sich nacheinander auf, wenn man sich eifrig in die Sprache vertieft".

Inmitten dieser Auseinandersetzungen drei junge Menschenkinder, der eine aus der Stadt kommend, die beiden anderen im Reich der "Ägipane" (Satyrn mit Ziegenfüßen), der Feen und der Süßwasser-Sirenen zu Hause. "Manche Feen haben völlig Tiergestalt und laufen zum Beispiel als große weiße Hasen auf den Äckern herum; in Sümpfen lebt eine Sorte mit Froschfüßen, und andere wieder sind an einsamen Strandwegen anzutreffen, wo sie schlafend nebeneinanderstehen wie die Reiher, jeder auf einem langen," dünnen Bein."

Mit Hilfe der Fabelwesen können die "Gärtner" die Reste ihres Besitztums retten. Jedoch für alle Zeiten sind den "Händlern" nun jene Gärten verschlossen. Keine Pforte, keine Öffnung gestattet ihnen den Zutritt. Das dichte, schweigende Grün trennt sie von den Stätten, an denen ewiger Frieden herrscht.

Es ist die seltsame Mischung von romantischem Surrealismus, rationaler Wirklichkeit und gesunder Sinnenlust, was den prickelnden Reiz dieses köstlichen Buches ausmacht. Es wird in Deutschland viele Freunde finden. I. H.

Charles R. Joy, Melvin Arnold: Bei Albert Schweitzer in Afrika. (C. H. Beck Verlag, München, 160 S., 148 Abb., Leinen 11,80 DM) – Eine Woche im Urwaldspital des großen deutschen Arztes und Forschers. Die amerikanischen Autoren legen von der Arbeit in Lambarene. die sie tief beeindruckt hat, sachliches Zeugnis ab. Unmittelbares Erleben im engsten Umgang mit den verschiedensten Negerstämmen Afrikas bekundet dagegen das Buch des holländischen Arztes

Paul Julien: Lagerfeuer am Äquator. (Eberhard Brockhaus, Wiesbaden, 245 S., 40 Abb., Leinen 13,– DM.) – Zwölf anstrengende Wanderjahre haben den impulsiv schreibenden Forschungsreisenden die körperlichen und seelischen Leiden, aber auch die Hoffnungen der schwarzen Menschen erkennen lassen.