Während allenthalben das, was menschliche Fehler, sagen wir während der letzten zwanzig Jahre, an verwirrenden und grausamen Realitäten zuwege brachten, sich immer noch fortpflanzt, hat ein bisher unbekannter englischer Autor daraus bereits eine phantastische Fabel geformt. Als Werkzeuge nutzte er versöhnende Ironie und galligen Humor, als Gefäß die traditionelle Form des englischen Romans. Er hatte einen köstlichen Einfall, und daß es ihm gelang, ihn mit Geist und in biegsamer Sprache zu gestalten, erweist sein unbestreitbares Talent. Howard Clewes erfand "Das Kind des Diktators" eines erfundenen faschistischen Staates. Der Krieg fegte den Machthaber hinweg. An seine Stelle trat eine alliierte Kommission (deren skurrile Typen werden herrlich greifbar; gehörte der Autor doch selbst der Militärregierung in Mailand an), bei der die illegitime Mutter als Sekretärin arbeitet. Profitgier treibt die Pflegeeltern, das Kind zu denunzieren. Und nun läßt Crewes mit technischem Geschick, aber auch menschlicher Wärme keine Möglichkeit aus, in den sich um das geistesschwache und körperlich behinderte Kind bildenden Strudeln bis auf den Grund zu loten. Als der Junge verschwindet und erst da die Mutter sich zu ihm bekennt, ist die politische Oberfläche allerseits geglättet, und der Spiegel trübt sich wieder, in dem wir für fast vierhundert Seiten Lektüre ein brillierendes Vexierbild unserer Zeit erkennen können. (J. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart, Leinen DM 10,50). Schl.