Opernsendungen können zumeist nur Konzerte

sein. Sie nehmen der Oper das, worauf Wort und Musik bezogen sind: die dramatische Gebärde. Erst dann, wenn eine Musik sich an eine undarstellbare – wenngleich in der Einbildungskraft des Hörers vorstellbare – Handlung knüpft, kann der Funk in die Rechte der Bühne eintreten. Dieser unglücklich-glückliche Fall ist bei Klabunds Spiel von "Fausts Höllenfahrt" gegeben, auf das der junge Hans-Ulrich Engelmann, Schüler Wolfgang Fortners, eine glitzernd burleske Musik geschrieben hat. Klabunds orgiastische Phantasie würde von jeder Bühne im Stich gelassen werden. Ton und Klang aber können die Imagination leiten, wenn sie, wie hier, auf alles Konzertante verzichten und nur illustrative Funktion haben. – Der NWDR Hamburg eröffnete mit einer exzellenten Darbietung dieser einstündigen Funkoper eine Reihe von Ursendungen, für die er Aufträge an jüngere deutsche Komponisten gegeben hat.

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Was in Deutschland alleweil eine ferne Hoffnung zu bleiben scheint, ist in Frankreich einfach da: das Theater, das sich immer wieder aus der Lust des Volkes an Verwandlung und lebhafter Gebärde nährt. Auch mit Nachahmung ist da nichts zu wollen; es liegen wohl nationale Urphänomene vor. Die französische Komödie hat von Molière über Marivaux und Labiche bis zu Anouilh kaum eine Formgeschichte. Sie wächst nur ständig nach, und darum kann auch der Darstellungsstil konstant bleiben: groteskes, bisweilen kasperlhaftes Figurinenspiel mit geschmeidigster Wortakrobatik. Alles kommt spitz, leicht und drastisch – Burleske als erfüllte Form. André Barsacq allerdings, der jetzt mit einer Truppe des Théâtre de l’Atelier in Deutschland gastiert, ist ein Großmeister dieses Stils. Er bringt als Bühnenbildner und Regisseur alle derben und alle diffizilen Humore von Jean Anouilhs "Ballett-Komödie" (Molières Gattung!) "Le Bai des Voleurs" zum Leuchten und zeigt deutschen Zuschauern wieder einmal, daß dieser produktivste Theatraliker der Gegenwart nicht aus der Literatur, sondern für das lebendige französische Theater schreibt. Ce!