Allen Respekt vor der Industrie- und Handelskammer zu Köln! Es ist wirklich eine reine Freude, ihren "Jahresbericht" für 1950 zu lesen, bei dem der erste Satz schon "hineingreift" in die grundlegende Problematik – weil sich "für den Geldumschlagplatz Köln" eben "ohne weiteres die Frage nach der Funktionsfähigkeit des Geldes stellt", oder, simpel gesprochen: ob man für die DM "Waren und Leistungen ohne weiteres erkalten konnte ... im Laufe dieses ganzen Jahres, also "vor Korea" und dann auch "während Korea". Dazu heißt es:

"Seit jener Wende und besonders zum Jahresende muß festgestellt werden, daß ein wichtiger Artikel für Geld ohne gewisse Einschränkungen nicht mehr zu kaufen ist, nämlich die Kohle. In der Kohlenwirtschaft ist wieder ein Prioritätensystem geschaffen worden, das diesmal allerdings mehr heimlicher Natur ist. Gefahren scheinen zu drohen, daß es in einzelnen Branchen, in denen sogenannte Engpässe auftauchen, zu Kompensationsgeschäften kommt.

Sollte es zu dieser Lage kommen, so würde dies grundsätzlich eine partielle Ausschaltung des Geldes und den entsprechenden Ersatz durch administrative Maßnahmen oder durch Tauschhandel bedeuten, wenn das Gewicht auch noch nicht schwer sein mag. Verhängnisvoll erscheint eine gewisse Neigung der Wirtschaft, insbesondere der Einkäufer der mit Aufträgen überlasteten Unternehmungen, nach öffentlicher Bewirtschaftung, d. h. nach einem Prioritäten- und Kontingentsystem nur auf der Produktionsstufe. Man sei, so heißt es in den Berichten, das Antichambrieren bei den verkaufenden Unternehmungen leid. Diese Kreise der Wirtschaft müssen sich allerdings darüber im klaren sein, daß die Bewirtschaftung auf der Produktionsstufe Folgen bis zum letzten Verkauf haben und, nach den reichlichen Erfahrungen der Vergangenheit, zusammen auch im Hinblick auf die unausbleibliche totale Bewirtschaftung der Preise, wiederum zur Funktionsunfähigkeit des Geldes führen muß. Das Antichambrieren bei Unternehmungen kann dann wieder in ein entsprechendes Tun und Treiben bei Behörden umschlagen. Da gilt es aber zunächst festzustellen, daß der Bewirtschaftungsapparat bei den Behörden nicht mehr vorhanden ist, daß in der Bevölkerung auf keine moralische Gefolgschaft zu rechnen ist, und daß auch nicht die Zwangsmittel des totalitären Systems zur Verfügung stehen, insbesondere nicht ein entsprechendes Straf recht.

Trotzdem wird die Kammer immer wieder vor die Frage gestellt, ob und wieweit die Umstellung wesentlicher Teile der Weltwirtschaft auf die sattsam bekannte Rüstungswirtschaft die Aufrechterhaltung einer Verkehrs- oder Marktwirtschaft auch in den zunächst nicht unmittelbar in diese Rüstungswirtschaft einbezogenen Volkswirtschaften noch ermöglicht. Diese Frage kann sogar um die Jahreswende als die Kernfrage aller Wirtschaftspolitik bezeichnet werden.

Die Fragestellung betrifft auch nicht zuletzt die Formen des Außenhandels. Wir sind in diesen Dingen nicht autonom. Das zeigt die Forcierung des Kohlenexportes durch die Besatzungsmächte offensichtlich. Dieser erzwungene Export hat nicht zuletzt den Grund für das heimliche oder halbheimliche Prioritätensystem in der innerdeutschen Kohlen Wirtschaft hergegeben. Die geldpolitischen Maßnahmen zur Regelung des Imports stellen in Rücksicht auf die Anspannung der Zahlungsbilanz faktisch schon eine Beeinträchtigung der Liberalisierung des Außenhandels dar. Es liegt nahe, daß zur Überwindung der Außenhandelsschwierigkeiten, insbesondere zur Exportsteigerung, hier und da Gedanken einer Währungsabwertung geäußert werden. Die Kölner Kammer steht solchen Gedanken ablehnend gegenüber."

An späterer Stelle des Berichtes wird die Neigung, zu den sogenannten "Ordnungsmaßnahmen" staatlicher Reglementierungs- und Befehlswirtschaft zurückzukehren, nochmals aufgegriffen. Es heißt da (alle textlichen Hervorhebungen durch uns) folgendermaßen:.

"Die im Herbst auftretenden Engpässe und Produktionshemmungen als Folge einer stärkeren Akzentuierung rüstungswirtschaftlicher Belange in den Lieferländern mußten, auch unsere Firmen empfindlich berühren. Es hat auch nicht an Rufen nach Bewirtschaftungsmaßnahmen gefehlt. Die Kammer hat von vornherein die klare Linie vertreten, daß nicht daran gedacht werden darf, zur Planwirtschaft zurückzukehren oder der Bürokratie eine weitergreifende Bewirtschaftung zu überlassen und in voller Breite Kontingentierungsmaßnahmen aufzurollen. Nach unserer Ansicht muß es dem Ordnungswillen der beteiligten Industrien möglich sein, Störungen selbst zu, beseitigen. Die Sorgen, die sicherlich heute die Einkäufer in den Unternehmungen der verarbeitenden und exportierenden Industrie haben, dürfen nicht endgültig umstimmend in der grundsätzlichen Wirtschaftspolitik werden."

Das ist wohl genau das, was im gegenwärtigen Moment gesagt werden muß, und es ist die Sprache, die von der Praxis verstanden wird. Nur Doktrinäre, die "ihr" System der "straffen Bewirtschaftung" wiederaufrichten möchten (so Dr. Wagenführ schon vor Korea!), werden ein wenig säuerlich dreinblicken und versucht sein, von "Köln im Karneval" zu reden. n. f.