Vor einigen. Jahren noch las er als Emigrant über christliche Ethik an der amerikanischen Universität Princeton – heute kämpft er für den Anschluß der protestantischen Kirche an das östliche Regime. Unter dem Präsidenten Masaryk spielte er in dem Prager "Verein Christlicher Junger Männer" eine große Rolle und versuchte, der tschechischen Jugend etwas vom amerikanischen Lebensimpuls mitzugeben. Heute erklärt er, daß die westliche Welt ausgespielt habe und daß die christliche Kirche eine neue Gesellschaftsordnung suchen müsse: Professor Hrodmadka, einer der leitenden Männer in der tschechischen protestädtischen Kirche, ein Mann, der schon bei der letzten großen Kirchenkonferenz in Amsterdam ein Rededuell mit dem Amerikaner Foster Dulles hatte, in dem die Spannung zwischen West und Ost im Spiegelbild protestantischer Lebensauffassung zum erstenmal zutage trat.

"Die Gefahr eines neuen Krieges", so erklärte der tschechische Theologe vor wenigen Tagen in Budapest, "droht nicht von seiten der Sowjetunion, Chinas oder der Ostdeutschen Republik, sondern von der Seite derjenigen, die die Kolonialländer unterdrücken und auch dem unglücklichen Westdeutschland wieder Waffen in die – Hand drücken wollen." Hrodmadka, einstmals so rief ergriffen vom amerikanischen Lebensgefühl, ist heute fest davon überzeugt, daß die Vorherrschaft des Westens zu Ende gehe und daß sich die "Kirche zum mindesten mit den östlichen Ideen ernsthaft beschäftigen und auseinandersetzen müsse.

In Prag hat das kommunistische Regime Gottwaldt die Brauchbarkeit dieses Mannes bald erkannt. Hrodmadka, Professor an der Universität, wurde zugleich Mitglied des kommunistischen tschechoslowakischen Zentralaktionskomitees und versuchte sofort, die protestantische Kirche gleichzuschalten. Die tapfere pietistische Passivität, die gerade tschechische Protestanten in den letzten Jahren so oft zu ihrer Selbstverteidigung benutzten, wurde nun nicht mehr toleriert. Es ging dem neuen Staat darum, alle kulturellen und sozialen Kräfte vor den Wagen des Kommunismus zu spannen. So wurden die protestantischen Kirchen gezwungen, Sympathieerklärungen für das kommunistische System zu unterschreiben. Die Pastoren mußten von der Kanzel aus die Bevölkerung zur Loyalität gegen das System auffordern. Die kirchliche Presse hatte in die allgemeine Sympathiewelle miteinzustimmen oder ihr Erscheinen einzustellen. Die christlichen Jugend vereine wurden verboten. Dies alles geschah auch im Namen des Professors Hrodmadka. Es ist dennoch sicher falsch, diesen wissenschaftlich nicht unbedeutenden Mann einfach als einen Kollaborateur unter anderen anzusehen. Seinem Antrieb kommt man wesentlich näher, wenn man bedenkt, daß der tschechische Protestantismus eine starke nationale und zugleich sozial-radikale Tradition hat, die bis auf Johan Hus zurückgeht. Vielleicht, daß Hrodmadka heute eine Chance sieht, dem Protestantismus trotz seiner Minderheit in der Tschechoslowakei zu einer führenden Rolle zu verhelfen? Möglicherweise spielen auch panslawistische Gedankengänge bei seinen Handlangen eine Rolle.

Eins aber ist sicher: Hrodmadka, der kein Opportunist ist, er ist gerade deshalb gefährlich, Seine persönlichen Freunde im Westen wissen von ihm, daß der Kollektivismus nicht die Lebensform ist, die er erstrebt. Sie wissen zugleich, daß er sich Sorge macht um die Bedrohung der menschlichen Persönlichkeit durch den Kommunismus. Schließlich aber wissen sie, daß er von der Tradition her für die augenblicklichen Vorteile, die die Freundschaft mit der Sowjetunion dem tschechischen Volke bringen könnte, leichter anfällig ist als andere. Engdahl-Thygesen