Dreimel haben in der vergangenen Woche die Westmächte ihre Bereitschaft ausgedrückt, über eine friedliche Beilegung des Koreakonfliktes zu verhandeln. Die Ministerpräsidenten des Commonwealth veröffentlichten ein gemeinsames Kommuniqué, in dem es hieß: "Wir werden jede annehmbare Vereinbarung begrüßen, die einen freien Meinungsaustausch mit Stalin oder Mao Tse Tung ermöglichen würde." Mit Billigung des gleichen Gremiums brachte der kanadische Außenminister Pearson im Politischen Ausschuß der UNO einen neuen, inzwischen auch angenommenen Schlichtungsplan ein, der einen sofortigen Waffenstillstand in Korea vorsieht, dem dann unverzüglich Verhandlungen zur Regelung aller Fernostprobleme zwischen den USA, England, der Sowjetunion und Rotchina folgen sollen. Und schließlich verlautet in Washington, daß auch die Vereinigten Staaten mit diesem Vorschlag einverstanden seien. Kurz: über eine mangelnde Verhandlungsbereitschaft des Westens ist wahrlich nicht zu klagen...

Der einst sagenumwobene und inzwischen viel geschmähte General Mac-Arthur war es, der am 27. Juli vorigen Jahres, zwei Tage nach dem nordkoreanischen Überfall und 24 Stunden nach Präsident Trumans Beschluß, Südkorea zu unterstützen, in Tokio erklärte: "Wer amerikanische Truppen, aufs asiatische Festland schicken will, sollte auf seinen Geisteszustand untersucht werden ..." Und als MacArthur im September den 38. Breitengrad nach Norden überschritt, da ließ Peking keinen Zweifel darüber, daß es seine Interessen in Korea mit der Waffe verteidigen werde. Das ist inzwischen geschehen.

Allein, nicht nur Korea gehört seit Jahrhunderten – gleichgültig, ob es sich um ein kaiserliches, nationalistisches oder, kommunistisches China handelte – zu der unmittelbaren Interessensphäre des Reiches der Mitte, sondern ebenso Formosa und Japan. Wenn also Mao Tse Tung die Amerikaner aus Korea hinaus ins Meer werfen würde, hätte er nicht mehr errungen als einen Teilerfolg. Formosa bleibt für ihn uneinnehmbar, und Japan kann schon morgen aufgerüstet werden. Sollte er sich jedoch jetzt oder bis zu der Stunde, da sich auch nur noch ein einziger amerikanischer Soldat in Korea aufhält, zu Verhandlungen bereit erklären, so wird er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: er beweist den Amerikanern seine militärische Stärke und ermöglicht es ihnen doch zugleich, ihn anzuerkennen, weil er ihnen nicht den Prestigeverlust einer absoluten Niederlage zufügt. Er wird in Korea de facto dieselbe Situation schaffen können, wie sie nach einem völligen Hinauswurf der Amerikaner eintreten würde; und kann sich zugleich in das Gespräch über Formosa und Japan einmischen, zu dem ihm sonst der Weg auf unbestimmte Zeit verwehrt wäre. Er würde schließlich Aufnahme in den Sicherheitsrat finden und damit nicht nur seine Stellung in Asien und gegenüber den Westmächten, sondern auch gegenüber Moskau stärken.

Dies sind die Gründe, warum Indiens Ministerpräsident, Pandit Nehru, einer der wenigen Staatsmänner, die heute wissen, was in Peking vorgeht, an kommende Verhandlungen glaubt. Schlimmeres für Amerika zu verhüten, Besseres für China zu erreichen –: das also wurde, die Basis für zukünftige Besprechungen sein. C. J.