Das Ereignis, das einen großen Teil Asiens in den Mittelpunkt des Kampfes der Ideologien gestellt hat, ist zweifellos der Verfall Chinas an den Marxismus. Aber auch ohne dies, selbst wenn China die Bolschewisierung zurückgewiesen hätte; die unermüdlich aufgebaute Organisation des Marxismus im ganzen Orient, in der jede Zelle autark und jede örtliche Aktion mit gebührender Rücksicht auf die Mentalität der Personen und Gruppen geplant ist, sollte der übrigen Welt eine ’Lehre dafür sein, was mit Scharfsinn erreicht werden kann," Diese Bemerkung findet sich in einem Buch, dessen mit der fernöstlichen Politik und Denkweise offenkundig intim vertrauter Verfasser (O. O. Trullinger: Red Banners over Asia, Verlag Pen-In-Hand, Oxford 1950) es inmitten der bis nach Europa täglich fühlbaren ostasiatischen Krise unternommen hat, das Prinzip herauszuheben, das zu dem erschütternden Umsturz in Asien geführt hat. Wir neigen dazu, diesen historischen Vorgang in erster Linie als Folge anderer historischer Ereignisse, insbesondere des letzten Krieges, zu sehen. Ohne diese Ursachen zu leugnen, meint Trullinger, daß vor allem zwei Dinge den progressiven Erfolg der Sowjetunion in Ostasien begründen: einmal eine außerordentliche, mit Genialität und unendlichem Fleiß ausgeführte Propagandaarbeit, zum andern die Tatsache, daß die demokratischen Westmächte in der Gegenaktion die asiatische Mentalität so oft verkennen.

Trullinger ist nicht der Meinung, daß das Truman-Programm, das sich auf die Förderung der unterentwickelten Gebiete bezieht, unnütz ist. Mit einer Steigerung des Lebensstandards in Ostasien, zu der die Sowjetunion ihrerseits kaum etwas beitragen könnte, sei auf die Fernostvölker schon ein gewisser Eindruck zu machen; allein ein wirksamer Effekt könne nicht eintreten, wenn nicht auch ein politischer, ein propagandistischer Anlauf gemacht werde. "Selbst wenn er (der Asiate) vom Westen Lebensmittel und Kleidung erhält, auf Grund eines Programms zur Beseitigung der Armut, dann läßt er sich dennoch sogleich von den Gegenagitatoren überzeugen, die ihm sagen: ‚Sieh einmal, warum sollte der Westen dir etwas zu essen geben? Gibt er dir, so nur, weil er Angst hat – Angst vor uns, vor dem Volk. Und woher hat er denn überhaupt die Kleider, die Lebensmittel, das Geld, das er gibt? Sind denn die westlichen Länder nicht arm an Rohstoffen? Der Grund ist, daß er auf deine Kosten lebt, er will seinen Lebensunterhalt nicht verlieren und will nicht zusehen, daß du selbst an seiner Stelle reich wirst: reich in der Erfüllung des sozialistischen Paradieses ..."

Er zieht daraus folgende Konsequenzen: In Asien weniger als anderswo ist eine Erhöhung des Lebensstandards in sich schon eine Sicherung gegen die Revolution. Weder materielle Hilfe noch westliche demokratische Ideale allein sind entscheidend im Kampf gegen den Kommunismus, "weil der Marxismus selbst eine hochentwickelte Form der wissenschaftlichen Konzeption der Freiheit von Armut, der Gleichheit und des materiellen Wohlstandes ist. Der Unterschied zwischen den beiden europäischen Ideologien, nämlich der kapitalistischen Demokratie und des Kommunismus, ist in den Augen der geschichtsbewußten Intelligenz Asiens nur ein Unterschied der Quantität, nicht der Qualität. Man kann die kommunistische Theorie (in Asien) nicht bekämpfen mit Hilfe einer anderen Theorie, die mit jener so eng verwandt ist, daß man sie analytisch als von derselben Art erkennen kann. Westliche Demokratie und Marxismus wurzeln zuletzt in den selben Traditionen der Schulen Platons und Rousseau’s und haben wenig Beziehung zu den Lebenszielen der Asiaten." Daher meint Trullinger, daß in der westlichen Gegenpropaganda den Imponderabilien viel mehr Beachtung geschenkt werden müßte, der Empfindlichkeit der Völker Ostasiens in der Rassenfrage, ihrer Empfänglichkeit für die nationalen Parolen, ihrem Mißtrauen, daß die UNO doch nur ein Exekutivorgan des Westens sein könnte, und ihren philosophisch-religiösen Interessen. H. A.