Vor einem Gericht in Newark, USA, fand dieser Tage ein bemerkenswerter Prozeß seinen Abschluß, dessen Gegenstand die in den letzten Jahren weltberühmt gewordene Droge Streptomycin war. Erfinder des Streptomycins ist der Professor der Mikrobiologie Dr. Selman Waksman, der mit seinen Eltern vor Jahrzehnten aus der Ukraine nach Amerika eingewandert war. Penicillin ist das erste und berühmteste Heilmittel in der Gruppe der Antibiotika, zu der auch das Streptomycin gehört. Nun gibt es eine Anzahl von Bakterien, die auf Penicillin nicht oder ungenügend reagieren. Die Erfindung des Streptomycins durch Dr. Waksman war daher ein sehr großer Fortschritt der medizinischen Wissenschaft, ganz besonders, weil es das erste Mittel dieser Art war, mit dem gegen Tuberkulose Erfolge zu erzielen waren. Streptomycin wirkt, im Gegensatz zum Penicillin, auch gegen viele Formen der Dysenterie, ferner gegen Keuchhusten.

In dem Prozeß machte ein junger Biologe, Dr. Schatz, gegen Dr. Waksman und die Rutgers Research and Endowment Stiftung, welche aus der Produktion des Streptomycins bisher 2 360 000 Dollar bezogen hat, seine Rechte geltend. Schatz war 1946 mit Waksman als Besitzer dies Patents eingetragen worden, hatte aber dann auf Wunsch seines Chefs seine Rechte an die erwähnte Stiftung übertragen. Waksman hatte sich 20 v. H. der Einnahmen persönlich vorbehalten, später auf 10 v. H. davon verzichtet. Diese 10 v. H. verpflichtete sich nunmehr die Stiftung an die Miterfinder zu verteilen, davon drei v. H. an Dr. Schatz. Der junge Wissenschaftler, der zur Zeit mit einem Jahresgehalt von 5000 Dollar am Brooklyn College arbeitet, wird nach dem jetzt vor Gericht geschlossenen Vergleich 125 000 Dollar für die Auslandsrechte und aus seiner dreiprozentigen Beteiligung rund 30 000 Dollar jährlich erhalten, nachdem Waksman vor Gericht erklärt hatte, Schatz sei "sowohl rechtlich wie wissenschaftlich als ein Miterfinder des Streptomycins anzusehen". In dem Vergleich wurden auch noch andere Assistenten und Mitarbeiter Waksmans mit einer Beteiligung bedacht, darunter sogar die Witwe eines Arbeiters, der die Laboratorien gesäubert hatte.

Auch weiterhin behält die Rutgers-Stiftung 80 v. H. der Millioneneinnahmen, die sie zur mikrobiologischen Forschung verwendet. Nach Abschluß des Vergleichs zog Dr. Schatz die Ausdrücke "Betrug und Härte", die er in der Klage gegen Waksman gebraucht hatte, zurück. H. A.