Ende des vergangenen Jahres wurde vom Bundesernährungsministerium ein "Verbraucherausschuß" neu gebildet. Diese Einrichtung, zuerst in der Zeit der Bewirtschaftung entstanden, hat den Zweck, die Behörden über die Stimmung der Verbraucher, ihre Forderungen, ihre Wünsche und ihre Kritik zu unterrichten. Wie Staatssekretär Dr. Sonnemann dazu mitteilte, will man besonders den Wünschen der Hausfrauen Rechnung tragen. Und wahrscheinlich soll aus den Ergebnissen, die dieser Verbraucherausschuß ermittelt, eine gewisse Verbrauchslenkung erfolgen, weil, um mit Dr. Sonnemann zu reden, die "Illusion" über unsere Verhältnisse, in der wir während der letzten Jahre gelebt haben, "endlich zerstört werden müsse". Er forderte für die Ernährungspolitik eine Verkürzung der Handelsspannen und des Handelsweges und damit als Folge eine Senkung der Endverbraucherpreise bei gleichzeitiger Erhöhung der Erzeugerpreise, weiter die Durchführung einer Verbrauchslenkung und schließlich die Stärkung der Verbrauchsdisziplin. Daß es auf diesem Gebiet noch viele (gelinde ausgedrückt) Unzulänglichkeiten gibt, erläuterte er an einem Beispiel: Importiertes Schweinefleisch, das frei Passau 92 Pfennig kostete, habe in München schon 1,45 DM gekostet. (Eine solche Anpassung relativ geringfügiger Einfuhrmengen an den allgemeinen Marktpreis läßt sich freilich nur dann vermeiden, wenn der Handelsweg behördlich genau kontrolliert wird. Es gibt noch viele Beispiele ähnlicher Art, so zum Beispiel Pilzkonserven. Von ihnen kostete eine Pfundbüchse Pfifferlinge Weihnachten noch 1,50 DM. Die gleiche Büchse (aus "neuer" Lieferung) wird in Hamburg jetzt für 2,05 DM verkauft. Und darum finden wir, daß es höchste Zeit ist, in Westdeutschland nicht nur von Verbrauchsdisziplin zu sprechen; sie sollte wirklich geübt werden: was also heißt, daß man die Voraussetzungen dafür durch entsprechende Aufklärung schaffen muß. we.

Daß eine solche Aufklärung ihre Zeit braucht, um wirksam zu werden, zeigt das Beispiel der Gefrierfleisch-Einfuhren, wobei es sich um Kontrakte im Umfang von 10 000 t handelte, für die (zunächst) keine "Aufnahmebereitschaft" seitens der Endverbraucher und deshalb auch seitens des Fleischerhandwerks bestand. Selbst die weiterhin in Frage kommenden präsumtiven Abnehmer GEG und Fleischwaren-Industrie waren nicht sehr erpicht auf das Angebot der Vorratsstelle, das preislich "nur" etwa 10–15 Pfennige je Pfund niedriger lag, als gleichzeitige Offerten für Einfuhr-Frischfleisch. Ein Teil der Ware ist dann in die Berlin-Reserve gegangen; weitere (und steigende) Mengen hat der Frankfurter Platz aufgenommen: Zunächst "versuchsweise", in Zusammenarbeit zwischen Importeuren und fleischerinnung (auch einem Werk der Fleischverarbeitung), dann zunehmend über eine echte Nachfrage der Verbraucher, die also Geschmack an Gefrierfleisch gefunden haben, wie das bei einem qualitativ einwandfreien Angebot der Ware, speziell durch das Fleischerhandwerk und den Fachhandel, ja auch nicht anders zu erwarten war. – Merkwürdigerweise hat man, als zunächst die Unterbringung der Ware schwierig erschien, nicht gleich daran gedacht, den Verband der Werkküchen und Kantinen vorzuspannen, obwohl diese Sparte (auch durch ihr Fachblatt, das ausgezeichnete "Großküchen-Magazin") eigentlich hinreichend Beachtung beansprucht – und sogar mit Recht beansprucht! G. K.