Über 25 Jahre lang hat das Deutsche Reich dem ehemaligen Konteradmiral der Kaiserlichen Marine Titus Türk aus Lübeck seine Staatspension bezahlt. Türk war 1919 aus dem Dienst ausgeschieden, die letzte Zahlung ging ihm im Mai 1945 zu. Dann gab es das Deutsche Reich nicht mehr. Und es gab auch kein Geld mehr für Titus Türk.

Als 1948 die Bundesrepublik Deutschland entstand, hoffte der Achtzigjährige vergeblich auf das Wiedereintreffen seiner Pension. Die Bundesrepublik fühlte sich jedoch nicht als Rechtsnachfolger des ehemaligen Reichs und zahlte nicht. Nun hat der Admiral gegen die Bundesrepublik geklagt und – gewonnen: Die Erste Zivile Kammer des Landgerichts Bonn hat entschieden, daß der Bund einen Unterhaltsbeitrag an einen 1919 pensionierten Wehrmachtsangehörigen zu zahlen hat. Titus Türk soll sein Geld bekommen.

Diese Entscheidung ist wichtig für alle pensionierten Wehrmachtsangehörigen, Aber wichtiger noch ist vielleicht, daß in Bonn ein Gericht den Staat zugunsten eines einzelnen Mannes verurteilt hat. Hier ist im Zeitalter des immer weiter vordringenden Totalitarismus einem alten Mann sein Recht gegen den Moloch Staat geworden. – Das heißt: Ganz sicher ist das noch nicht. Denn die Bundesrepublik will Berufung gegen das Urteil einlegen. Könnte ein Staat sich schämen, so müßte man es ihm angesichts dieser Absicht empfehlen. P. H.