C. O. W. Brüssel, im Januar

Man hat sich im Ausland bereits so sehr an den Begriff"Benelux" gewöhnt, daß man leicht geneigt ist, an eine bereits vollzogene Einheit der Länder Holland, Belgien und Luxemburg zu glauben. In Wirklichkeit ist man noch sehr weit davon entfernt. Während Holland im Jahre 1945 verarmt begann, besaß Belgien sehr hohe Dollarguthaben in den USA. Die Quelle seines Wohlstandes, Belgisch-Kongo, war ja vom Kriege nicht direkt berührt worden. So erweist sich auch die Situation auf dem Automobilmarkt in Belgien völlig anders als in Holland. Während man in Holland die Einfuhren nach außenhandelspolitischen Gesichtspunkten lenkt, ist die Einfuhr nach Belgien unbeschränkt. Die Folge davon war, daß bisher über 80 verschiedene Pkw-Typen eingeführt wurden und die deutschen Fahrzeuge, als sie endlich wieder exportiert werden durften, auf einen sehr fetten Markt stießen.

Um so bedeutungsvoller ist es, daß sich der deutsche Volkswagen seit dem 1. Januar 1950 in der Einfuhrliste bereits auf den dritten Platz vorarbeiten konnte. Nächst dem Volkswagen hat sich Opel wieder einen guten Marktanteil sichern können, wobei allerdings ungewöhnlich niedrige Preise den Weg ebnen. Mercedes und Borgward erscheinen ebenfalls mit steigenden Zahlen im Straßenbild, während es der Ford "Taunus" nicht ganz leicht hat, gegen seine ausländischen Markengenossen anzugehen. Sehr erfolgreich ist der kleine "Renault", vor allem in dem wallonischen Teil des Landes.

Ein das ganze Land umfassender Kundendienst ist für die Zukunft das beste Mittel, um die Vielzahl der importierten Typen ganz entscheidend zu verringern. Von den 84 nach Belgien eingeführten Fahrzeugtypen zählt man höchstens 20. für die ausreichende Ersatzteillager im Lande anzutreffen sind.Bedenkt man, daß der komplett eingeführte Volkswagen mit einer Zollbelastung von etwa 24 v. H. des Wertes zum Verkauf gelangt, während eingeführte Fahrzeugteile unterschiedliche Zollsätze von 5 bis 15 v. B. haben, daß fernerhin bei einer ganzen Reihe von Aggregaten (Tachometer, Scheinwerfer, Bereifung, Innenausstattung), die aus der eigenen Produktion entnommen werden können, überhaupt jede Zollbelastung eingespart werden kann, so wird es verständlich, wenn man belgischerseits sehr ernsthaft überlegt, auch den deutschen Volkswagen in Teilen einzuführen und im Lande selbst zu montieren.