Die Neuordnung von IG Farben ist wieder einmal aktuell Da wäre es sehr zu begrüßen, wenn die deutsch-alliierten Besprechungen nicht durch tendenziöse Nachrichten gestört würden. Zwar wissen wir, daß nach Deutschland gesandte amerikanische Anti-Kartellspezialisten, statt ihre Übungen in der eigenen Heimat an dortigen Riesenobjekten abzuhalten, die ganze deutsche Industrie durch ihre Häckselmaschine schicken möchten. Nachdem aber im "Fall IG" all ihre Argumente für eine übertriebene Aufteilung nicht zu überzeugen vermochten, landeren "gewisse" Stellen nun über ein amerikanisches Nachrichtenbüro diffamierende Erklärungen; Die Farbenfabriken Bayer/Leverkusen könnten beispielsweise "als eine derart große Gesellschaft den Kern für eine neue IG abgeben". Und im gleichen Atemzug fordert die ausländische Konkurrenz – gut abgestimmt ist das! – Vierteilung!

Bedauerlich, daß während der deutsch-alliierten Gespräche die amerikanischen Partner so die Atmosphäre trüben und damit auf deutscher Seite das Vertrauen, ernsthaft mit ihnen zusammen an einer ökonomisch vernünftigen Lösung arbeiten zu können, schwinden muß.

In einer soeben von Prof. Groß vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel zusammengestellten Arbeit über die internationalen Chemiekonzerne sind Größenverhältnisse auf der Umsatzbasis von 1950 angegeben. An der Spitze stehen in den USA: Du Pont mit 1236 Mill. $ Jahresumsatz vor Union Carbide mit 715,8 Mill. $, Eastman Kodak mit 441,8 Mill. Allied Chemical mit 389,2 Mill. $, American Cyanamid mit 305,5 Mill. $ und weitere drei Unternehmen mit Umsätzen zwischen 217 und 290 Mill. S. In England erreichten die Imperial Chemical 488 Mill $ und in der kleinen Schweiz die Ciba 116 Mill. $ Jahresumsatz. Wie bescheiden machen sich daneben die "furchtbaren" Deutschen aus: Bayer hatte 1950 einen Umsatz von 122,8 Mill. 8, Badische Anilin von 107,9 Mill. $ und Farbwerke Hoechst von 95,6 Mill. Die Vierteiler haben wirklich keine Beweiskraft auf ihrer Seite. R.