Von Claus Jacobi

Einen Frieden zu schließen, dazu gehören

mindestens zwei Partner. Einen Krieg zu entfesseln, dazu genügt der Wille eines einzigen Staates. Dies ist es, was die gegenwärtige Situation in Asien so bedrohlich werden läßt. Vor vierzehn Tagen, Mitte Januar, als man gewiß keinen Grund hatte, sich allzu großem Optimismus hinzugeben, sah die Lage rosig aus im Vergleich zu heute. Dennoch waren es jene Tage, in denen das jüngste Unheil seinen Lauf nahm. Am 13. Januar schlug die Politische Kommission der UNO Rotchina vor, die Feindseligkeiten in Korea einzustellen. Alle nicht-koreanischen Truppen sollten dann schrittweise abgezogen und dem Volk Gelegenheit gegeben werden, sich unter internationaler Überwachung freie demokratische Institutionen zu wählen. Gleichzeitig – nach dem Waffenstillstand – könnten die vier Großmächte und Rotchina über alle schwebenden Probleme Ostasiens beraten. Soweit der Vorschlag der UNO. Und Pandit Nehru, Indiens Premierminister, versicherte am 16. Januar, daß Rotchina nach Empfang dieser Botschaft zu Verhandlungen nicht abgeneigt sei.

Am Abend des nächsten Tages hielten die Diplomaten der Welt den Atem an. Aus Peking kam eine unversöhnliche Antwort. Der Vorschlag der UNO wurde brüsk zurückgewiesen. Statt dessen forderte Maos Außenminister Tschou En Lai als erstes Beratungen zwischen den vier Großmächten, Rotchina, Indien und Ägypten in Peking. Der Krieg in Korea sollte unterdessen ruhig weitergehen, weil eine Feuerpause "nur für die Fortführung und Erweiterung der Aggression der Vereinigten Staaten" günstig sei. Das war die Sprache einer neuen Großmacht.

In Washington machte sich so etwas wie ein Gefühl der Erleichterung breit. Ein Gefühl der Erleichterung, wie es etwa die Nazis angesichts der alliierten Invasion in Frankreich 1944 gehabt haben mögen: Gott sei Dank – der Feind hat sich endlich gestellt. Es war auch schwer genug gewesen, dem durch die täglich in den Zeitungen erscheinenden Verlustlisten, durch Propaganda und durch Kriegsberichte bis zum Äußersten gereizten amerikanischen Volk die amerikanische Zustimmung zum Appcasement-Plan der UNO vom 13. Januar schmackhaft zu machen. Ohne Zögern bezeichnete Acheson daher die rotchinesische Antwort als "unannehmbar". "Die Vereinten Nationen", so sagte er, "haben damit jede Möglichkeit für eine friedliche Lösung erschöpft." Am 19. Januar unterbreiteten die Vereinigten Staaten der UNO eine Resolution, die die Vollversammlung auffordert, festzustellen, daß Rotchina sich an der Aggression in Korea beteiligt habe. Noch einmal 24 Stunden später – und der amerikanische UNO-Delegierte Gross gab eine weitere Erklärung ab, die an Schärfe die erste Resolution noch übertraf. In ihr wird ausdrücklich von einer "Brandmarkung Rotchinas" gesprochen. Darüber hinaus hieß es: "Wir haben keine Verpflichtungen hinsichtlich der Aufnahme der chinesischen Kommunisten in die Vereinten Nationen übernommen und werden uns ihr auch weiterhin widersetzen." Und schließlich legen sich die Vereinigten Staaten auf den alten, bisher nie offiziell akzeptierten Standpunkt von General MacArthur über Formosa fest, einen Standpunkt, der jede Verhandlung mit Rotchina auf unbestimmte Zeit unmöglich machen muß. Denn die USA erklären, daß die Zukunft der Insel lebenswichtig sei für die Sicherheit der Vereinigten Staaten, und daß sie ohne Beteiligung Nationalchinas nie an einer Konferenz über das Schicksal dieser Insel teilnehmen würden. Wenn der Manchester Guardian die Pekinger Antwortnote "als einen Befehl an den besiegten Feind" bezeichnete, "sich seine Kapitulationsbedingungen abzuholen", so ist diese jüngste Proklamation der Vereinigten Staaten nichts anderes als ein Befehl an den siegreichen Feind, auf all seine gewonnenen Vorteile zu verzichten...

In dieser Situation hat China nicht gezögert, erneut eine präzise Antwort zu geben. Am Montag, dem 22. Januar, erklärte es sich bereit, einem "zeitlich begrenzten" Waffenstillstand in Korea zuzustimmen, vorausgesetzt, daß gleichzeitig die von ihm vorgeschlagenen Sieben-Mächte-Verhandlungen beginnen würden. Auf diesen Verhandlungen "muß" – so heißt es in dem chinesischen Plan – unter anderem über folgende Punkte eine Einigung erzielt werden: Abzug aller ausländischen Truppen, Rückzug Amerikas aus Formosa und UNO-Aufnahme Rotchinas.

Indiens Premier, Pandit Nehru, seit Wochen von neunmalklugen Beobachtern wegen seiner Vermittlungs-Mißerfolge immer unverhohlener verhöhnt, hat seine Gegner wieder einmal beschämt. Aus dem "Erst Waffenstillstand, dann Verhandlungen" der UNO und dem "Erst Verhandlungen, dann Waffenstilltsand" Rotchinas ist die Möglichkeit von gleichzeitiger Feuerpause und Konferenz geworden. Es war sein Vorschlag.