Frankfurt a. M., im Januar

Die deutsche Schauspielbühne hat das gute Gebrauchsstück sehr nötig. Deshalb griff Fritz Rémond wohl auch nach dem Stück "Das letzte Rezept von dem Amerikaner John B. Foster, Die Handlung ist originell und trägt, trotz einiger Mängel der Charakterzeichnung, alle Elemente der Spannung in sich. In einer Kleinstadt unweit Londons versucht eine morphiumsüchtige französische Kabarettistin das junge Apothekerehepaar Mastermann zu erpressen. Madame Lopez hat etliche Wochen in erzwungener Morphium-Abstinenz gelebt und ist daher bis zum Verbrechen enthemmt. Der Vater des Apothekers ist Arzt. Nach einem Herzanfall der Madame verschreibt er ihr ein stärkendes Mittel – aus Versehen setzt er eine Überdosis auf das Rezept. Mit Hilfe dieses Rezeptes beseitigt die junge Frau des Apothekers, in tiefster seelischer Not, die gefährliche Französin. Dr. Prescott, Schulfreund des Apothekers, jetzt Polizeiarzt, ehrgeizig, pflichtbesessen, pedantisch, ein Streber, versucht die Mastermanns zu überführen – bis er am Ende, erschüttert von den seelischen Bedrängnissen dieser Menschen, erkennen muß, daß es Taten gibt, die nicht mit dem Strafgesetzbuch und nach den Wertformeln "Gut" und "Böse" geahndet werden können.

Fritz Rémond hat diese Handlung im "Kleinen Theater im Zoo" sehr geschlossen vorgeführt, ohne dabei das Atmosphärische zu beeinträchtigen. Eine bedrängende Charakterstudie schuf Brigitte König als Madame Lopez. Harriet Orzegowski und Hans Martin Koettenich als Apothekerehepaar, sowie Christian Schmieder als Dr. Mastermann hatten an dem großen Erfolg durch fein ausgewogene Menschengestaltung einen bedeutenden Anteil. Heinz Friedrich